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Schule & Projekte

„Mathe kann echt schön sein“: Zwei Freiburger gewinnen im Bundeswettbewerb Mathematik

Für so manchen ist Mathe ein Hassfach. Nicht aber für den 19-jährigen Nicolai Gerber. Der Freiburger hat im Bundeswettbewerb für Mathematik 2016 den ersten Preis gewonnen. Einen zweiten Preis hat sich der Zwölftklässler Huy Dang errechnet. Schulmathe findet er aber gar nicht so spannend.

 
 

Vier Matheaufgaben. Zwei Monate Zeit, sie zu lösen. So sieht die erste Runde des bundesweiten Wettbewerbs aus, den das Bildungsministerium jedes Jahr für Schüler ausschreibt. Wer in der ersten Runde einen Preis gewinnt, darf auch in der zweiten Runde mitmachen. Dann gibt es wieder vier Aufgaben - und die sind noch kniffliger. 1426 Jugendliche aus Deutschland waren vergangenes Jahr am Start. Von den 214 Teilnehmern aus Baden-Württemberg haben vier den ersten Platz belegt. Preisgeld: 200 Euro.


Einer von ihnen ist Nicolai (Bild rechts). Er darf deshalb Anfang Februar am Bundesfinale teilnehmen. Dort müssen die Schüler in einem Kolloquium vor erfahrenen Mathematikern ihr Können beweisen. Nicolai hat 2016 am Kepler-Gymnasium in Freiburg Abitur gemacht. Jetzt erzählt er euphorisch von seinem Leben in Bonn, dort studiert er nun Mathematik. Auch Huy Dang (Bild unten) wusste fast alle Antworten und belegte damit den zweiten Platz, für den es 100 Euro Preisgeld gab. Der Freiburger mit vietnamesischen Eltern geht am Goethe-Gymnasium in die zwölfte Klasse – und das mit nur 16 Jahren. Er hat die erste Klasse übersprungen.

 

"Mann muss selbst denken"


Bei fast allen Aufgaben hieß die Arbeitsanweisung: „Beweise!“ Zum Beispiel, dass eine Zahl einer bestimmten Länge, die abwechselnd aus Nullen und Einsen besteht, keine Primzahl ist. Beweise nehmen Schüler im Matheunterricht wenig durch. Das Besondere daran: Man kann nicht unbedingt Schemata aus dem Unterricht anwenden, sondern muss selbst auf die Lösung kommen. „Da gibt es kein Rezept und das ist für viele ungewohnt“, meint Nicolai, „man muss selbst denken“. Wichtig dabei sei es, alle Möglichkeiten zu berücksichtigen, erklärt Huy.


„Eigentlich ist es aber auch Glück, ob man auf die Lösung kommt oder nicht“, sagt der zurückhaltende Schüler. Davon berichtet auch Nicolai: „Einmal hatte ich beim Fahrradfahren eine spontane Eingebung.“ Vor allem brauche man aber Ausdauer und somit „eine hohe Frustrationstoleranz“, um sich an die Antwort ranzutasten, betont er. Oft habe er nur eine kleine Idee bekommen, die er dann weiterentwickelte. „Manchmal bin ich erst auf die Lösung gekommen, nachdem ich schon Monate am Schreibtisch vor der Aufgabe gegrübelt habe.“ Huy hat sogar ein Java-Programm an seinem Laptop geschrieben hat, um eine Aufgabe zu lösen.


Ihm gefällt, dass bei dem Wettbewerb so viel Kreativität gefragt war. Anders als in der Schule: „Da wendet man immer nur dieselben Muster an.“ Das findet auch Nicolai. „Ich mag, dass die Mathematik so logisch ist. Man muss nicht alles auswendig wissen, sondern kann sich vieles selbst herleiten“, sagt er, „Mathe kann echt schön sein.“ Die beiden waren schon immer Einserschüler in Mathe. „Bis zur siebten Klasse habe ich mich aber eher fürs Programmieren und für Physik interessiert. Dann habe ich angefangen, einfache Einführungen in Mathethemen zu lesen“, sagt Nicolai. Ab der zehnten Klasse hat er dann sogar ein Schülerstudium an der Uni in Freiburg gemacht, bei dem er an Mathevorlesungen teilgenommen hat.


Sie wollen keine Nerds sein

 

Für ziemliche Nerds würden manche Nicolai und Huy vielleicht halten. „Nein, ich bin kein Nerd“, sagt Nicolai lachend, „zumindest nicht in sozialer Hinsicht, hoffe ich“, schiebt er nach. Außerdem interessiere er sich auch für andere Dinge: Er spiele Klavier und Bratsche in einem Orchester. Huy ist bei der Nerdfrage kurz überrumpelt, denkt nach und wehrt dann auch ab: „Eigentlich bin ich ziemlich faul. Auf Klausuren lerne ich erst einen Tag vorher.“ Dann merkt er amüsiert an: „Dafür erfülle ich aber ein bisschen das Asiatenklischee, weil ich so gut in Mathe bin.“ Vietnamesisch könne er allerdings nicht so gut. Überhaupt seien Sprachen nicht so sein Ding. In der Schule interessieren ihn noch die Naturwissenschaften und „in meiner Freizeit spiele ich Computerspiele, Dota zum Beispiel“, sagt er.

 

Die beiden wollen sich auch nach der Schule mit Mathe beschäftigen. Durch sein Schülerstudium ist Nicolai jetzt bereits im dritten Fachsemester des Bachelorstudiums. Bonn hält er für die richtige Wahl: „Ich mag die Stadt und die Universität ist für ihre guten Matheveranstaltungen bekannt." Auch Huy kann sich vorstellen, nach dem Abi Mathe oder Informatik zu studieren. „Was ein Mathematiker macht, weiß ich aber gar nicht so genau“, gibt er zu. Auch Nicolai sei das zunächst nicht klar gewesen, aber früh an die Uni zu gehen habe ihm sehr bei der Orientierung geholfen: „Das ist ganz anders, als das, was man in der Schule macht.“ Lange sei es sein Traum gewesen, in die Forschung zu gehen. Inzwischen sei er sich aber nicht mehr sicher. Vielleicht wolle er doch nicht den ganzen Tag grübelnd am Schreibtisch sitzen.

 

Infos

Die erste Runde des Bundeswettbewerbs 2017 ist angelaufen: Bis zum 1. März können Schüler ihre Lösungen einsenden. Das Aufgabenblatt und mehr Infos zum Wettbewerb gibt’s auf der Seite www.mathe-wettbewerbe.de.

 

 

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