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Leute & Leben

„Liebe für alle, Hass für keinen“ - Beten und erklären: Saad Bajwa lebt als Muslim in Freiburg

Seit dem Blutbad in Berlin ist auch Deutschland vom Terror erschüttert. Sind die Muslime dafür verantwortlich? Bedeutet der Islam Krieg? Darauf hat der gläubige Student Saad Bajwa Antworten. Er nimmt uns mit: in seinen Alltag und den einer reformierten muslimischen Gemeinde in Freiburg.

 
 

Freitag, 13.45 Uhr. Saad Bajwa (Foto rechts) rollt seinen Teppich im Gebetszentrum Richtung Mekka aus. Viele aus seiner Gemeinde, etwa 30 Männer, schließen sich ihm an. Dann hallt die Ansprache eines Mannes durch den Raum. Saad beginnt mit dem Gebet, die anderen folgen ihm.

Ein ganz normaler Tag im Leben des Studenten. Nach dem ersten Gebet geht’s in den Hörsaal. Mit anderen Studenten wälzt Saad Bücher, bis die Köpfe rauchen. Dabei lernt man sich kennen. Saad zeigt offen, dass er Muslim ist. Es kommen Fragen auf, kritische Fragen zum Islam – und dem Islamismus. Doch der 24-Jährige bleibt gelassen. In aller Ruhe erklärt er den Glauben aus seiner Sicht, den er mit seinen „Glaubensgeschwistern“ teilt. Er berichtet von der Ahmadiyya Gemeinde in Freiburg, die einen friedlichen Islam vorlebt. „Liebe für alle, Hass für keinen“ ist ihr Motto, das sie voll und ganz leben wollen.

Von Hass kann Saad nicht berichten, aber von Hürden. Denn das mit dem offenen Ausleben ist so eine Sache. Ein Gebetszentrum hat seine Gemeinde. Eine gewünschte Moschee in Freiburg-Zähringen wird es jedoch erst mal nicht geben. Der Bau wurde von der Stadt Freiburg indirekt abgewiesen. Ein Hindernis, den Gläubigen Fragen zu stellen, ist das nicht. Saad erzählt freudig von Menschen, die sich interessiert und offen an ihn wenden.

Natürlich kommen auch mal blöde Kommentare: weil er keinen Alkohol trinkt und kein Schweinefleisch isst. Oder er wird gefragt, ob er nicht auch einer dieser Bombenleger wäre und so weiter. Doch da steht er drüber.

Ein versöhnliches Miteinander und Aufklärung liegen dem gebürtigen Pakistani am Herzen. Daher findet er, dass Deutsche mehr vom Islam wissen sollten. Das betrifft vor allem den Religionsunterricht an Schulen. „Den Islam anzusprechen und nur die Oberfläche anzukratzen, reicht nicht.“ Angst habe zu viel Macht über Menschen. „Das Problem kann man nur durch Bildung lösen“, sagt Saad.

Er sieht Muslime auch selbst in der Pflicht: „Es ist unsere Verantwortung, den Islam zu präsentieren, den wir leben. Wir dürfen nicht zulassen, dass irgendwelche Terroristen das Gesellschaftsklima vergiften!“, betont Saad.

In diesem Punkt stimmt ihm Gerd Buurmann zu. Der Kölner Blogger spricht ebenfalls von der Angst der Menschen vor den Terroristen, die man ernst nehmen muss. Was den Religionsunterricht an Schulen angeht, hat der 40-Jährige allerdings eine andere Meinung. Die religiöse Aufklärung soll die Gemeinde übernehmen und nicht der Staat. Schulen sollten lieber einen Unterricht anbieten, der Werte vermittelt. „Am besten ist es aber, wenn es Wurst ist, dass Kreuze an der Wand hängen oder Lehrerinnen Kopftuch tragen“, schließt er ab.

 

Beten: Die Gläubigen im Gebetsraum der Freiburger Ahmadiyya-Gemeinde.

 

Auch die Autorin Kristiane Backer beschäftigt sich mit dem Thema. Sie war einst die erste deutsche Moderatorin bei MTV, konvertierte dann zum Islam. „Lehrerinnen sind nicht plötzlich inkompetent, nur weil sie ein Kopftuch tragen“, sagt Backer. Doch es sei wichtig, dass auch Schulen über den Islam aufklären. Je mehr man wisse, desto weniger Angst habe man vor Neuem.

Der Glaube ist elementar im Leben der Autorin. „Das Gebet spielt eine wichtige Rolle“, erklärt die 51-Jährige. Es ist geprägt von einer starken Beziehung zu Gott, heftigen Emotionen und innerer Besonnenheit und Ruhe.

Auch Saad Bajwa empfindet es so, als er nach dem Gebet aufsteht. Zusammen mit seinen Glaubensbrüdern verwandelt er den Gebets-raum nun in einen Gemeinschaftsraum. Ein enges, behagliches Miteinander. 

Die Blicke richten sich nun auf den Fernseher in der Ecke. Gemeinsam lauschen sie gespannt dem fünften Kalifen, ihrem Oberhaupt. Es geht um Frieden, Liebe und Gemeinschaft. Fünf Mal am Tag beten die Gläubigen. Will man eine gute Beziehung zu jemandem haben, pflegt man sie, sagt Gemeindemitglied Nasir Khawaja. Genauso so sei das beim Gebet.

 

 

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