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Leute & Leben

6000 Menschen an der Freiburger Tafel

Würde man all die grünen Klappkisten mit Lebensmitteln übereinanderstapeln, die pro Monat von den Kühlfahrzeugen der Freiburger Tafel eingesammelt werden, wäre der Turm elfmal so hoch wie das Freiburger Münster. Und der Bedarf steigt: 800 neue Kunden strömen jährlich zum Tafelladen an der Schwarzwaldstraße, in dem ein Sack Kartoffeln nicht mehr als 20 Cent kostet. Während hier vor drei Jahren noch 270 Haushalte am Tag versorgt wurden, sind es mittlerweile 350. Insgesamt kümmert sich die Tafel momentan um 5950 Personen. Die Lage habe sich nach der Ankunft vieler Geflüchteter dennoch entspannt, weiß die Vorstandsvorsitzende Annette Theobald (63) – auch aufgrund neuer Lagerräume und längerer Öffnungszeiten.

 
 

„Abweisen mussten wir auch während des großen Ansturms niemanden, aber ein paar Wochen lang haben wir uns schon gefragt: Wenn das so weitergeht, wie sollen wir das gestemmt kriegen? Mittlerweile verteilt sich der Andrang besser: Es gibt keine Stoßzeiten mehr, zu denen wir 40 neue Karten pro Woche ausgeben müssen. Wir merken auch, dass viele Flüchtlinge mittlerweile eine Arbeit gefunden haben und deshalb nicht mehr bei uns einkaufen.

Ausgegangen sind uns die Lebensmittel glücklicherweise nie: Wo wir früher noch viel Werbung machen mussten, kommen mittlerweile auch Geschäfte von sich aus auf uns zu. Neu ist außerdem, dass uns immer mehr einzelne Menschen unterstützen: Der Rentner, der einmal die Woche mit einem Einkaufstütchen vorbeikommt oder die Studentin, die uns die noch verpackten Reste einer Feier bringt. Es müssen keine Berge von Lebensmitteln sein, es ist auch toll, wenn jemand beim Einkaufen eine Packung Nudeln mehr kauft und uns vorbeibringt. Ebenfalls eine unglaublich tolle Geste: Irgendjemand schmeißt uns Monat für Monat einen Briefumschlag mit einem Fünf-Euro-Schein in den Briefkasten. Darüber freuen wir uns jedes Mal riesig.

Um die wachsende Zahl der Kunden bewältigen zu können, haben wir durchgehende Öffnungszeiten von 10 bis 16 Uhr eingeführt. Das hat sich bewährt, allerdings brauchten wir dafür auch eine dritte Schicht. Glücklicherweise haben viele der Ehrenamtlichen aus der Stadthalle bei uns ausgeholfen – und sind auch nach dem Schließen der Notunterkunft bei uns geblieben.

Mit mehr Kunden und mehr Helfern ist dann allerdings der Platz eng geworden. Auf unsere Anfrage bei der Stadt hin haben wir nun von der Stadtbau zwei Räume im gegenüberliegenden Haus zur Miete bekommen – für einen sehr geringen Betrag. Hier lagern wir jetzt Sachen, die wir nicht täglich brauchen, wie Netze oder Tüten.

Ich bin seit Anfang an bei der Tafel dabei – mittlerweile 17 Jahre. Am Anfang haben wir gedacht, irgendwann wird es keine Armut mehr in Freiburg geben, irgendwann brauchen wir die Tafel nicht mehr. Doch die Zahl unserer Kunden steigt, auch weil es immer mehr ältere Menschen mit niedriger Rente gibt. Es ist schön, dass wir diesen Menschen zeigen können, dass sie nicht alleine gelassen werden. Und dass es ein Miteinander gibt über Sprache, Religion, Status und Alter hinweg.“



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