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Sport & Freizeit

Sport am Schreibtisch: E-Sport begeistert auch in Freiburg immer mehr junge Zocker

Videospiele sind für Stubenhocker und Sonderlinge? Das war einmal. Viel ist passiert, seit Pac-Man und Pong über klobige Fernsehgeräte flimmerten. Auch in Freiburg ist E-sport angesagt. Besuch bei zwei Zockern, die es ernst meinen.

 
 

Lukas Meyer haust nicht alleine im dunklen Keller seiner Eltern. Der videospielbegeisterte Student wohnt mit seiner Verlobten in einer hellen Wohnung im Stühlinger und ist Organisator des Black Forest eSports. Der 21-Jährige spielt „League of Legends“. Allein dieser Spieletitel hatte 2016 laut Entwickler weltweit mehr als 100 Millionen aktive Spieler. „In Videospielen ist man nicht an die Limitationen der Physik und der Gesellschaft gebunden“, erklärt Hans Jagnow, Präsident des noch jungen eSport-Bunds Deutschland, diese Faszination.

Auf europäischer Ebene wird aus diesem Spiel schnell Ernst: Professionelle Verträge und Preisgelder in Millionenhöhe locken eine dünne Spitze talentierter Spieler mit Räumlichkeiten, Trainer, Manager, Mental- und Fitnesscoaches. Auch Köche leisten sich die Vereine.

„Gerade beim Spielen auf Bühnen ist das Stress- und Adrenalinlevel während des gesamten Spiels auf einem ex-trem hohen Niveau“, weiß Niklas Timmermann, Welt- und Europameister einer Rennsimulation. Für den Titel trainierte er unter anderem Konzentrationsfähigkeit und seine körperliche Ausdauer.

„Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, sagt Michael Schmid, Gründer der Freiburger E-Sport-Gruppe, die mittlerweile 15 aktive Spieler zählt. Je weniger der Zufall über Sieg und Niederlage entscheidet, desto besser sei ein Spiel geeignet: „Das Können soll entscheiden.“

Denn, wie in anderen Sportarten, gilt auch im E-Sport das Leistungsprinzip. „Profis trainieren acht Stunden täglich. Die meisten eher zehn und mehr“, weiß Schmid. Kollege Meyer spielt weniger. „Wegen meiner Bachelorarbeit komme ich aktuell auf acht Stunden in der Woche“, sagt der PH-Student. „Wenn der einzige Sport, den man betreibt, am Computer stattfindet, ist das nicht gesund“, ergänzt Schmid, der ebenfalls dort studiert. Deswegen sei es auch wichtig, Vereine zu gründen, in denen man sich sieht und einen gemeinsamen Ausgleich findet.

Wie bei traditionellen Sportarten besteht auch beim E-Sport Verletzungsgefahr: „Eigentlich gibt es jede Bürokrankheit, die durch viel Sitzen entstehen kann, wie Sehnenscheidenentzündungen und Rückenschmerzen“, sagt Schmid. Operationen im Profigeschäft sind keine Seltenheit.

Auch mit seelischen Verletzungen plagen sich E-Sportler: „Auch 2018 sind Vorurteile, E-Sportler seien fette, soziophobe und unsaubere Killerspielspieler, weiterhin ein Problem“, ärgert sich Timmermann. Nach den Amokläufen von 2002 in Erfurt und 2009 in Winnenden gerieten Videospiele ins Visier der Öffentlichkeit. „E-Sportler finden erst langsam Anerkennung“, bestätigt Jagnow, „die wird aber weiter steigen.“ Viele Menschen seien mittlerweile mit Videospielen aufgewachsen.

Seit diesem Jahr ist E-Sport sogar als Sportart im Koalitionsvertrag anerkannt und ermöglicht somit Eintragungen als Verein. Auch gestandene Fußballvereine wie Schalke und Stuttgart erkennen elektronischen Sport an und leisten sich eigene Abteilungen. Gespielt wird dort mit Maus und Tastatur, statt mit Ball und Tor.

Zwar plane der SC Freiburg zumindest kurzfristig keinen Einsatz auf virtuellem Grün, Philipp Walter aus der Pressestelle des Sportclubs gibt aber an, das Thema zu verfolgen und Know-how einzuholen. Einige Kilometer weiter südlich, in Basel, ist man mit einer ausgebauten E-Sport-Sparte schon weiter: „Wir möchten in den Köpfen einer jungen Zielgruppe stattfinden“, sagt Joachim Reuter, Leiter der Abteilung E-Sport. Der mehrfache Gewinner der Schweizer Liga verfolgt steile Zahlen: Vor zwei Jahren meldeten sich knapp zwei Millionen Spieler zu einer Pixel-Fußballweltmeisterschaft an. Dieses Jahr waren es 20 Millionen.

 

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