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Schule & Projekte

Keine Noten: An der freien demokratischen Schule „Kapriole“ wird anders gelernt

Noten erst ab der zehnten Klasse. Kein Pflichtunterricht. Demokratische Entscheidungen. Das ist Alltag in der freien demokratischen Schule „Kapriole“ in Freiburg. f79-Autorin Anouk Plocher (17) war selbst auf dieser Schule. Sie stellt das etwas andere Lernmodell vor, bei dem die Meinung der Schüler genauso eine große Rolle spielt wie die der Lehrer.

 
 

Meike (17) sitzt konzentriert auf dem Sofa und lernt Deutsch. Hussam (14) hört Musik. Am Tisch spielen Anne, Jeremy, Mira und Zoran das Spiel „Dixit“. Sie diskutieren und lachen viel. Meike stört das nicht, sie bereitet sich weiter auf die morgige Deutschklausur vor, da sie dieses Jahr ihren Werkreal-Schulabschluss macht.

Was in der Privatschule in Littenweiler passiert, ist ungewöhnlich. Denn die Kapriole hat andere Regeln als viele staatliche Schulen: Hier kann man jeden Tag selbst entscheiden, was man lernen möchte. Regeln, Angebote oder Projekte werden von Schülern und Lehrern gemeinsam in der Schulversammlung beschlossen, in welcher die Lehrer genauso wie die Schüler eine Stimme haben.

Anne Langer (15) ist seit der ersten Klasse an der Kapriole und findet das super: „Hier habe ich das Recht, Nein zu sagen. Wenn ich mich zum Beispiel in Mathe nicht mehr konzentrieren kann, mache ich einfach irgendwas anderes.“ Schon in der Grundschule sei diese Freiheit toll gewesen. Auch die Beziehung zwischen Schülern und Lehrer sei super: „Ich fühle mich richtig wohl, wie zu Hause“, betont Anne. Das liegt auch an der Einrichtung: Die Räume sind bunt gestaltet, es gibt Sofas und Tische für Gruppenarbeiten.

In Freiburg ist das Modell einzigartig, in Deutschland nicht: Rund 100 freie Alternativschulen gibt es. Seit 1997 gehört die Kapriole dazu und ist staatlich genehmigt. In Freiburg unterrichten 22 Lehrer rund 150 Schüler. Die Tage sind unterteilt in drei Blöcke mit regelmäßigen Angeboten. Montagmorgens ist Mathewerkstatt, in der sich Schüler Themen frei aussuchen können. Dienstag ist Schulversammlung. Mittwoch ist Englischkurs. Präsenzzeit ist von 8.30 Uhr bis 13 Uhr. Die Angebote am Nachmittag kann man freiwillig besuchen. Da können die Schüler etwa selbst Seife machen, Vogelhäuschen bauen, Sport machen oder prüfungsrelevante Kurse besuchen.

Auch für die Lehrer ist das besonders. Mart Rutkowski ist seit 2006 an der Kapriole. „Du hast eigentlich nirgendwo ein so gutes, klares und deutliches Abbild, was Demokratie ist und wie sie funktioniert“, sagt der 38-Jährige. Er findet: „Demokratie ist nicht problemfrei, aber super.“ Natürlich gebe es Schüler, die mit dem freien Lernen Schwierigkeiten haben. „Wir sind keine leichte Schule, du musst hier die Verantwortung für dich selbst übernehmen“, sagt er.

Auch Steffi Sommer arbeitet an der Kapriole. Die 49-Jährige ist seit sechs Jahren dort, eine ihrer Aufgaben ist, Kinder beim Lernen, Spielen und Leben zu begleiten. „Es ist einfach wahnsinnig toll, was für eine eigenständige und mit sich selbst zufriedene Persönlichkeit man hier entwickeln kann“, schwärmt die Pädagogin.

Zoran würde ihr recht geben. Er hatte einst Zweifel am Lernerfolg und wechselte in der 7. Klasse auf die Albert-Schweitzer Schule. Nach zwei Monaten war er wieder zurück: „Die Lehrer sind gar nicht drauf eingegangen, wie weit man denn eigentlich mit dem Stoff ist“, sagt er. Die Distanz zwischen Lehrer und Schüler fand er „total doof“, zum Beispiel, dass man die Lehrer siezen muss.

Im Flur klingelt das Schülertelefon. Man hört Schüler toben. Die Gruppe beendet ihr Spiel. Zoran beeilt sich, um noch einen guten Platz in der Mathewerkstatt zu bekommen. Er macht dieses Jahr seinen Werkrealschul-Abschluss.

 

Die Kapriole

Die Privatschule in Freiburg-Littenweiler ist eine freie demokratische Schule. Sie besteht aus Grund- und Werkrealschule. Ein Grundsatz lautet: Schüler lernen wann, wo, was, wie und mit wem sie wollen. Bei der wöchentlichen Schulversammlung entscheiden Schüler und Lehrer gleichberechtigt. Die meisten Schüler, die an der Kapriole ihren Abschluss machen, gehen danach auf eine weiterführende Schule und probieren, Abitur zu machen. Wenige machen ein FSJ oder starten direkt eine Ausbildung.

 
 
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