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Schule & Projekte

Bildungsrevolution: Netzwerk „Schule für Alle“ will, dass Vielfalt Normalität wird

Katharina Walter ist Projektkoordinatorin des Netzwerks „Schule für Alle“. Das setzt sich dafür ein, dass Inklusion an jeder Schule praktiziert wird. Es hilft Schulen, sich auf den richtigen Weg zu machen. Im Interview mit Sofie Kubiak und Lina-Marie Klingelhöfer erzählt sie von Veränderungen im Bildungssystem, freier Entfaltung und selbstbewussten Schülern.

 
 

f79 // Frau Walter, was bedeutet Inklusion konkret an Schulen?
Walter //
Inklusion beschreibt, dass die Vielfalt und Verschiedenheit von Menschen normal ist. Das heißt: Alle sind gleichberechtigt. Alle sind von Anfang an dabei. Man passt die Rahmenbedingungen der Schule an das Kind an – nicht das Kind an die Rahmenbedingungen!

f79 // Warum wird Inklusion nicht grundsätzlich in Schulen praktiziert, obwohl die UN-Kinderrechtskonvention und die UN-Behindertenrechtskonvention das vorschreiben?
Walter //
Eigentlich müsste man das die Schulen fragen (lacht). Die Schulen machen sich das nicht bewusst. Theoretisch müssten heutzu-tage alle Schulen inklusiv arbeiten. Man könnte auch „demokratisch“ sagen, weil nämlich jeder alles mitbestimmen könnte – wäre das nicht toll! Inklusion ist ein so wichtiges Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Man lernt vor allem den Umgang mit und ein Verständnis für Verschiedenheit. Man lernt von dem anderen und entdeckt Gemeinsamkeiten.


Will mehr Inklusion in Schulen: Katharina Walter 


f79 // Was müsste konkret verändert werden?
Walter //
Konkret denke ich, liegt das an unserem 300 Jahre alten Schulsystem. Alle müssen zur gleichen Zeit das Gleiche lernen, ­jeder wird gleichgemacht. Die allgemeine Organisation der Schule müsste verändert werden – oft auch die Architektur. Lehrer bräuchten eine andere Ausbildung, allgemein ist mehr Personal nötig. Die Ressourcen spielen auch eine Rolle. Man muss sich mal klarmachen, wie viel Geld Deutschland hat und wie wenig für Bildung investiert wird.

f79 // Ab wann arbeiten Schulen inklusiv?
Walter //
Also das frage ich mich ehrlich gesagt auch. Wie vorher erwähnt, müssen die Rahmenbedingungen an das Kind angepasst werden, nicht andersrum! Personal ist auch wichtig, aber das können Physiotherapeuten, Schulsozialarbeiter, Alltagsbegleiter oder auch Mütter sein – jeder kann sich frei entfalten. Es gibt sogar Studien, die zeigen: Je größer die Vielfalt an Schülern in einer Klasse, umso besser sind deren schulische Leistungen. Weil das einfach anregend ist, wenn da verschiedene Leute sind.

f79 // Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Walter //
Ein gutes Beispiel für eine inklusive Schule ist die Bodensee-Schule St. Martin. Dort kommen alle Schüler aus einem Ort zusammen, egal ob gelb, grün oder im Rollstuhl – sie lernen alle zusammen und auch voneinander. Es gibt verschiedene Lernsettings, zum Beispiel jahrgangsübergreifend oder ganz ohne Erwachsene. In den Angeboten und den Lernsettings gibt es eine große Vielfalt, die der Vielfalt der Schüler gerecht wird.

f79 // Was können wir tun und wie?
Walter // Wichtig ist, dass Schüler sagen, was sie wollen und denken! Man muss Leute finden, denen der Umgang mit Vielfalt wichtig ist. Ihr könnt zum Beispiel mit eurem Schulleiter sprechen und ihn diesbezüglich aufklären. Das ist auch eine Arbeit, die wir von „Schule für Alle“ machen. Eine sehr gute Lektüre als Hilfe ist der „Index für Inklusion“. Dieser funktioniert sehr leicht über Fragen und soll zum Dialog anregen.

Schule für Alle

Das Bundesnetzwerk „Schule für Alle“ ist ein Zusammenschluss von Schulämtern, Jugendsozialarbeitern, Schüler- und Elternverbänden und Kultusministerien. Das Ziel: Vielfalt in Schulen bringen. Der Dachverband IN VIA hat Sitze in Freiburg, Essen und bei Osnabrück.

Mehr Infos auf: www.schule-fuer-alle.com

 

Dinner für Demokratie

Am 18. Juni veranstaltet Schule für Alle ein „Dinner für Demokratie“. Freiwillige können dabei auf öffentlichen Plätzen eine „Tafel“ anbieten. Mit dem Slogan „Ein ganzes Land tischt auf“ soll ein Zeichen für Demokratie, Offenheit und Vielfalt gesetzt werden. Anmeldung auf: bit.ly/f79_dinner

 
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