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Leute & Leben

Work and Travel: eine abenteuerliche Auszeit

Möglichkeiten die Welt zu bereisen gibt es viele. Erschwinglich sind die wenigsten. Gerade für junge Leute bietet sich daher an, in der Ferne ein Zubrot zu verdienen und mit Work and Travel den Horizont zu erweitern. Allein im vergangenen Jahr traten knapp 34.000 junge Leute eine solche Reise nach Australien und Neuseeland an, um einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Jennifer Wiech (Foto) hat die Augen weit aufgemacht und berichtet von ihrer Zeit in Kanada.

 
 

„Viele junge Menschen wollen sich einfach mal den Wind um die Nase wehen lassen“, sagt Stefanie Hargart, Produktmanagerin bei TravelWorks, das Arbeitsreisen ins Ausland organisiert. Jennifer Wiech hat diese Luft geatmet: Von 2012 bis 2013 hat sie den Rucksack geschultert, ist damit elf Monate lang quer durch Kanada und die Vereinigten Staaten gezogen. „Ich wollte schon immer mal in den Rocky Mountains Ski fahren“, sagt die heute 25-Jährige, die sich nach dem Abitur im Freiburger Umland diese Auszeit genommen hat.

Möglich gemacht hat’s ein Working-Holiday-Visum. „Fürs Beantragen sollte man genug Zeit einplanen“, empfiehlt Hargart. Bearbeitungszeiten sind von Land zu Land unterschiedlich und können im besten Falle Tage, meistens aber Wochen dauern. Neben einer gesunden Portion Abenteuerlust wird auch vorausgesetzt, dass Weltenbummler zwischen 18 und 30 Jahre jung sind und keine Kinder haben. Sicherheitshalber wird auch ein Taschengeld abgefragt. „Eine staatliche Förderung gibt es nicht“, sagt Hargart. Zwar könne man auch auf eigene Faust und ohne Agentur los, allerdings würden dann auch Sicherheiten wegfallen. Etwa in Form von Ansprechpartnern vor Ort. „Oft kommen Fragen zu Arbeitgebern, Unterkünften und auch Steuern auf“, sagt Hargart. Auch im Pannenfall, etwa, wenn ein in die Jahre gekommener Reisebus mal schlappmacht, könne man sich an ihre Firma wenden.

Auch Jennifers Start war etwas holprig: „Wegen Thanksgiving konnten wir unser Hostel nicht verlängern. Drei Tage nach meiner Ankunft hat man uns quasi vor die Tür gesetzt“, erzählt sie. Nach langer Suche, die Jennifer einmal quer durch Montreal führte, fand sie zum Übernachten nur eine dunkle Absteige. „Das war praktisch ein Keller voll mit komischen Menschen und auch Tieren“, sagt sie. „Das war Hardcore.“ Dann wurde es aber schlagartig besser: „Wir haben danach ein schönes Airbnb-Appartement gefunden und wurden toll aufgenommen.“

Die zweite brenzlige Situation erlebte Jennifer auf einer Ranch, die von Deutschen geführt wurde. „Die Besitzer dort hatten eine komische Vorstellung von Arbeitszeiten“, erzählt sie, „16 Stunden am Tag sollten wir dort schuften.“ Das habe sie und die anderen Backpacker dort nicht eingesehen: „Wir sind dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geflüchtet.“

Sonst hat sie nur Positives zu berichten. Denn ob Eishockey oder Ahornsirup, die meisten kanadischen Klischees haben sich für Jennifer bewahrheitet: „Die Menschen, die ich in Kanada getroffen habe, waren wirklich sehr freundlich. Im Supermarkt grüßen wildfremde Leute und fragen, wie es so geht.“ Hargart bestätigt: „Die Mentalität in Ländern wie Neuseeland und Kanada ist sehr aufgeschlossen.“

In Banff, bei Calgary, konnte Jennifer ihre nächsten Stationen an einem Skilift finanzieren: Mit neuen Freunden im Gepäck machte Jennifer drei Wochen lang im Wohnmobil ein Gebiet von Vancouver unsicher, bis hinein in die USA nach Seattle und Chicago. Einsam sei sie auf ihrer Reise nie gewesen. „Ich bin alleine gekommen und auch alleine gegangen, aber unterwegs war ich immer unter Leuten und habe viele Freunde gefunden“, berichtet sie. Entsprechend empfiehlt auch die Reiseexpertin Hargart, den eigenen Aufenthalt viele tausend Kilometer entfernt nicht zu sehr durchzustylen: „Meistens kommt man doch irgendwie immer vom Plan ab. Man trifft unterwegs viele Leute und schließt sich oft neu zusammen.“

Der Trip hat Spuren hinterlassen: Jennifer studiert mittlerweile Tourismusmanagement und denkt gerne an ihren Auslandsaufenthalt zurück. Sie vermutet: „Da ist wohl etwas hängen geblieben.“ Work and Travel würde sie jedem empfehlen: „Hau erst mal ab.“

 

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