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Leute & Leben

„Das gibt mir Rückhalt“: das Streetmobil der Straßenschule

Freiburg ist jung, bunt, beliebt. Doch gerade in lauen Sommernächten sieht man immer wieder Jugendliche, die sich ihr Schlafquartier in den Freiburger Gassen zurechtmachen. Für sie ist das Streetmobil der Freiburger Straßenschule ein erster Schritt in Richtung Hilfe. Große Lösungen werden dort nur bedingt gesucht.

 
 

„Das Streetmobil ist ein schöner Arbeitsplatz im Sommer“, sagt Ann Lorenz und schmunzelt. Die Fachbereichsleiterin der Freiburger Straßenschule ist gerne draußen, um zu helfen. Sie steht an einem bunt lackierten VW-Bus steht vor dem Freiburger Stadttheater. Davor sitzen ein paar Leute, trinken Kaffee und reden. Ein Hauch von Camping liegt in der Luft an diesem Dienstagnachmittag. Wie jede Woche stehen die Mitarbeiter der Straßenschule von 16 bis 18 Uhr mit ihrem Wagen in der City.

„Das ist eine Anlaufstelle für alle“, berichtet Lorenz. Keiner werde explizit eingeladen, keiner ausgeladen. Und doch sind immer Leute da, die das Gespräch suchen. Auch Altbekannte, die einst von der Straßenschule betreut wurden. Sie pflegen so den Kontakt zu den Sozialarbeitern, die ihnen eine wichtige Stütze für das alltägliche Leben sind.

So kommt auch Langer vorbei. Der Bassist und Mitbegründer der Band „Tunnelblick“ ist spontan da. „Das mache ich oft, wenn ich draußen unterwegs bin“, sagt er und setzt sich zu den anderen. Langer war vor sechs Jahren Teil des Wohnprojekts der Straßenschule. Mittlerweile hat er einen festen Wohnsitz und sucht einen Job.

„Ich komm gerne hier her, wenn ich rausgehen oder mit jemandem sprechen will. Das gibt mir Rückhalt“, erklärt Langer. Der gute Draht der Straßenschule zu ehemaligen Schützlingen ist spürbar. Ein ehemaliger Betreuter der Straßenschule leistet hier derzeit seine Bewährungsauflagen ab. „Ich war als einer der Ersten im Wohnprojekt“, sagt er und lacht. Vor etwa 21 Jahren sei das gewesen. Jetzt ist er wieder hier. Heute wohnt er in einer Ein-Zimmer-Wohnung im Stühlinger.

„Das Streetmobil ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Ein Mittelding zwischen Streetwork und unserer offiziellen Anlaufstelle in der Schwarzwaldstraße“, erklärt Lorenz. Primär geht es hier darum, für die jungen Obdachlosen da zu sein. Für Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Träume. Hat man sich dann besser kennengelernt und Vertrauen zueinander gefunden, kann es um die Lösung größerer Probleme gehen.

Obdachlose in Freiburg

 

  • In Freiburg leben 50 Personen auf der Straße, schätzt das Amt für Soziales und Senioren der Stadt.
  • 562 Menschen sind hier demnach wohnungslos, sie übernachten in entsprechenden Anlaufstellen
  • Etwa 1700 Menschen sind unmittelbar von Obdachlosigkeit bedroht
  • Etwa 2700 haben ein hohes Risiko obdachlos zu werden, sie leben in bedrohten oder unzumutbaren Wohnverhältnissen.
  • Die Freiburger Straßenschule hat 2017 insgesamt 530 Jugendliche und junge Erwachsene erreicht. Sie sind teils obdach- oder wohnungslos.
  • Jeder Fünfte davon ist unter 18 Jahren, die übrigen zwischen 19 und 27.
  • Laut Straßenschule steigt die Zahl der Betroffenen „seit einigen Jahren stetig an“.
  • 2012 erreichte die Straßenschule knapp 300 Jugendlichen und junge Erwachsene
  • 2017 sind es mehr als 500.
  • „Den Anstieg spüren wir in den geschlossenen Räumlichkeiten unserer Tagesanlaufstelle besonders stark, sie platzt inzwischen sprichwörtlich aus allen Nähten“, sagt Christine Devic von der Straßenschule.

 

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