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Job & Karriere

Wachsen und dabei Gutes tun: Bundesfreiwilligendienst

Den Schulabschluss in der Tasche. Und jetzt? Für alle Unentschlossenen und Weltverbesserer gibt es vor dem Beruf, einer Ausbildung oder einem Studium immer noch die Möglichkeit, sich sozial, kulturell oder ökologisch zu engagieren. Auch, wenn man für ein Freiwilliges Soziales Jahr schon zu alt ist.

 
 

41.680 Bufdis gibt es in Deutschland. Einer von ihnen ist Raphael Habel. Nach seinem Master in Umweltnaturwissenschaften entschied sich der 26-Jährige erst mal gegen einen Bürojob und für einen Tapetenwechsel: „Während meiner Uni-Zeit saß ich viel vorm PC. Da habe ich etwas anderes und Soziales gesucht.“ Gefunden hat er beides bei der Individuellen Schwerbehinderten-Assistenz (ISA) der AWO, bei der er neun Monate lang in Freiburg seinen Bundesfreiwilligendienst (BFD) leistet.

Dabei unterstützt Habel Menschen mit Behinderung, die ihre eigenen vier Wände einem Heim vorziehen, ihren Alltag aber nicht alleine bewältigen können: „Unter anderem erledige ich den Haushalt, Hygiene und helfe beispielsweise vom Bett in den Rollstuhl.“ Besondere Dankbarkeit erwartet Habel für sein Engagement nicht. Er mag es, für seine Klienten da zu sein und schätzt die Abwechslung der Aufgaben: „Meine Arbeit ist sehr facettenreich und macht mir viel Spaß.“

Abwechslungsreich ist auch das Angebot beim Bundesfreiwilligendienst. Ob Recherche und Führungen in einem Museum, Nachmittagsbetreuung an einer Schule, Obdachlosenhilfe oder Arbeit in ökologischer Landwirtschaft: Die Einsatzstellen beim BFD sind so vielfältig wie die Gesellschaft, der geholfen wird. Habel ist glücklich, seine Stelle im sozialen Bereich gefunden zu haben: „Sonst wäre ich damit wohl nicht in Berührung gekommen.“

In einem Rahmen von 6 bis maximal 18 Monaten kann sich jeder Bürger zum Bundesfreiwilligendienst melden. Die Einsatzzeit beträgt in der Regel zwölf Monate und kann mit einer Pause sogar wiederholt werden. Jeder Dienstleistende erhält ein Taschengeld von maximal 390 Euro im Monat. Obendrauf können Bufdis Berufskleidung, Unterkunft und Verpflegung erstattet bekommen und sind kostenlos über ihre Dienststelle versichert. Habel kommt damit auf ungefähr 480 Euro.

Lohnenswert ist der Bundesfreiwilligendienst auch für Schüler, die sich nach der mittleren Reife oder dem Abitur unsicher sind, ob ein Studium oder eine Ausbildung für sie das Richtige ist. Statt sich etwa direkt in ein Archäologie-Studium zu stürzen, können Unentschlossene in das Arbeitsfeld via BFD zum Beispiel im Landesamt für Denkmalpflege reinschnuppern und bei Gefallen direkt Praxiserfahrung sammeln. Eine Ausbildung in dem angestrebten Bereich wird nicht vorausgesetzt.

Im Gegensatz zum Freiwilligen Sozialen Jahr kann der BFD nicht im Ausland, dafür aber auch nach dem 27. Lebensjahr geleistet und sogar wiederholt werden. Trotz schriftlicher Bewerbung und Vorstellungsgespräch: „Meine Stelle zu bekommen, war relativ unkompliziert“, sagt Habel. Um seinen Wunschplatz sollte man sich allerdings rechtzeitig kümmern. Die Nachfrage ist groß und beliebte Stellen sind schnell vergeben.

Ebenso schnell scheinen viele Bufdis ihren Dienst aber auch wieder zu beenden: Nach einem aktuellen Bericht bricht jeder Dritte seinen Dienst vorzeitig ab. „Die nackten Zahlen stimmen“, bestätigt Peter Schloßmacher aus dem Bundesamt für Familie gegenüber f79. Allerdings zähle in diese Quote auch hinein, wer sich nach der Schule zwölf Monate anmeldet und nach elf Monaten, beispielsweise wegen eines Studienplatzes, entsprechend verkürzt. „Es ist nicht so, dass die Leute alle keinen Bock hätten“, sagt Schloßmacher.

Habel zählt nicht zu den Abbrechern. Ihm gefällt die Arbeit so gut, dass er nach dem BFD in Teilzeit bei der AWO weiterarbeiten möchte.

 

 

 

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