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Job & Karriere

Hämmern mit Hingabe: Straßenbauer brauchen Geduld, Kraft und Ausdauer

Kreativ, kleinteilig, abwechslungsreich. Der Beruf des Straßenbauers verlangt Kenntnisse in vielen Bereichen. Gearbeitet wird mit Pflastersteinen, Beton oder Marmor. Wie das geht, lernen Toni Prierert und Leon Rotzinger beim Garten- und Tiefbauamt der Stadt Freiburg. Die angehenden Straßenbauer arbeiten in ihrer Werkstatt gerade an einem Wappen fürs Theater Freiburg.

 
 

Klack, klack, klack. Toni und Leon stehen vor einer tischgroßen Platte, zur Hälfte gefüllt mit fein sortierten Steinen. Mit Gefühl und Präzision bearbeiteten sie diese, bis sie nahtlos ins Gesamtgefüge passen. „Das ist ein Wappen fürs Theater Freiburg“, erklärt Toni. Es sei 90 Jahre an den Treppen vorm Theater gewesen und müsse nun neu gemacht werden. Der 19-Jährige kümmert sich mehrere Wochen darum. „Jeder einzelne Stein muss passen“, sagt der Auszubildende im dritten Lehrjahr.

Kinnbart, roter Pulli, schwarze Kappe. Toni kommt lässig daher, geht aber konzentriert zu Werke. Für ihn ist Straßenbauer ein „Traumberuf“, bei dem er sich kreativ austoben kann und viel Abwechslung hat. Fast drei Jahre schon macht er die Ausbildung und steht kurz vor der Gesellenprüfung. Im Juli wird er sie ablegen.

Das Theaterwappen bearbeitet er gemeinsam mit Leon. Der 18-Jährige ist Azubi im ersten Lehrjahr und hämmert bereits fleißig mit. „Mir gefällt es gut hier, man ist oft an der frischen Luft und hat viele Aufgaben“, sagt er. Zur Ausbildung kam er durch den Tipp seines Vaters. Nach einem Probepraktikum war er überzeugt und bewarb sich.

Toni wusste sogar schon viel früher, dass ihm das kreative Arbeiten mit Steinen gefällt. Bereits als kleiner Springer half er seinem Vater, der im Garten- und Landschaftsbau arbeitet. „Pflastern habe ich ultra gemocht“, erinnert er sich. Heute ist es sein tägliches Brot.

Präzision gefragt: Toni (oben) und Leon arbeiten
an einem Wappen fürs Theater Freiburg.

„Eigentlich ist der Begriff ,Straßenbauer‘ irreführend“, sagt Ausbilder Dieter Saier. Der durchtrainierte Mann findet „Pflasterhandwerk“ passender. Denn große Straßen würden von seinem Betrieb nur selten gebaut. Der Schwerpunkt liege auf Flächen, Wegen oder Verzierungen. Das können seine Auszubildenden bestätigen: „Man braucht zeichnerische Begabung“, sagt Toni. Im Berichtsheft der Auszubildenden hat er eigene Bleistiftskizzen abgeheftet. Eine zeigt das Logo der Freiburger ASF (Abfallwirtschaft u. Stadtreinigung Freiburg). Das hat Leon an der Mülldeponie Eichelbuck umgesetzt – sein bisher größtes Projekt.

Den Azubis gefällt ihr variabler Arbeitsalltag. Die meiste Zeit verbringen sie draußen auf großen und kleinen Baustellen. Wetterfest zu sein, ist da Grundvoraussetzung. „Außer wenn es aus Kübeln schüttet, gibt es keinen Grund, nicht zu arbeiten“, sagt Ausbilder Saier. Außerdem gibt’s viel zu tragen: Steine, Baumaterial und Werkzeuge müssen transportiert werden – gearbeitet wird oft am Boden. „Fitness ist wichtig“, betont Leon.

Toni schätzt das Arbeitsklima im Betrieb und die Tatsache, dass er die Ergebnisse seiner Arbeit unmittelbar sieht. „Man freut sich über lächelnde Gesichter“, erzählt er von staunenden Passanten. Ein Teil davon ist auch, für eine barrierefreie Innenstadt zu sorgen: Wenn zum Beispiel Bodenmarkierungen für Sehbehinderte angebracht werden, sind die Straßenbauer zur Stelle. Auch für Rollstuhlfahrer legen sie Hilfen an.

Immer wieder ist dabei Geduld gefragt. Manchmal wird wochenlang an etwas gearbeitet. „Das verlangt Hingabe“, sagt Ausbilder Saier. Die Früchte der Arbeit sind dafür weit über Freiburg hinaus zu sehen. An der Werkstattwand hängt wie zum Beweis ein Foto aus dem sükoreanischen Suwon. Seit 2015 hat es mit Freiburg eine Städtepartnerschaft – als Geschenk gab’s damals zwei steinerne Städtewappen. Angefertigt wurden sie in der Freiburger Straßenbauer-Werkstatt.

Im Netz

Infos zu den Ausbildungsberufen und Studiengängen der Stadtverwaltung Freiburg gibt’s auf der Seite www.wirliebenfreiburg.de

 
 
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