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Sport & Freizeit

Randsportarten im Rampenlicht bei der Galanacht der Sports

Bei der Galanacht des Sports 2018 wurden zahlreiche Freiburger Sportler geehrt. Freiburgs Sportlerin des Jahres wurde Anna Bader, Wasserspringerin vom SSV Freiburg. Als Sportler des Jahres konnte sich Tim Jendricke, Rollkunstläufer von der FT 1844, feiern lassen. Team des Jahres ist das „Showteam Matrix“ (Akrobatik) aus Herdern geworden. Größter Gewinner der Veranstaltung war jedoch der Randsport, findet f79-Autor Anton Moser.

 
 

Es war mal wieder so weit: Das Konzerthaus Freiburg öffnete seine Tore, um im Namen des 10. Galaballs des Sports alle Sportler aus der Sportregion Freiburg zu ehren, die 2017 Besonderes leisten konnten. Und um auch sonst alle zu empfangen, die in Abendgarderobe Sekt schlürfen wollten. Wer das erste Mal mit von der Partie war, dem wurde schnell klar, dass man an diesem Abend weder ein Selfie mit Jogi Löw, noch eine Autogrammkarte von Christian Streich ergattern würde. Nein, da waren Sportarten zu hören, die selbst mir als "Alleskonsumenten“ der Sportwelt Probleme bereiteten. Rollkunstlauf oder Bogenschießen konnte ich noch zuordnen, bei den Kandidaten Flossenschwimmen oder Pétanque war dann spätestens Endstation. 123 Medaillen, zirka 3 Stunden und 4 Espresso später war man schlauer.

Wer dachte, das reiche doch jetzt mit neuem Input an Sportarten, der wurde außerhalb des Konzertsaals im „Vergnügungsbereich“ eines Besseren belehrt. An aufgebauten Sportstationen, an denen die Gäste ihr sportliches Geschick beweisen konnten, suchte man vergeblich nach einer Torwand oder einem Basketballkorb. Dafür nahm man Maß an der Bahn beim Eisstockschießen, netzte ein beim Lacrosse oder säbelte bei den Fechtfreunden in der Luft umher. Randsport statt Massensport - so die klare Ansage.

 

 

Meine vier Espresso (trinke viel Kaffee) sollen auf keinen Fall abwertend klingen, denn klar ist: Die schier endlose Pluralität der Sportarten macht die Galanacht des Sports erst zu dem was sie ist: zu einer sinnvollen Veranstaltung neben vielen Bällen, auf denen sich die Upper Class zum Hummeressen trifft. Das liegt vornehmlich daran, dass die Mehrheit der am Samstag geehrten Sportler aus Teilgebieten des Sports kommt, die normalerweise keine große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhalten. Trotzdem sind es Disziplinen, die für den Erfolg mindestens genauso viel Fleiß und Arbeit beanspruchen wie es die Massensportarten tun.

Im Unterschied zum Fußball oder Handball reicht selbst der Gewinn einer Weltmeisterschaft bei besagten Randsportarten aber oftmals nicht aus, um damit seine eigenen Brötchen zu backen, geschweige denn die benötigten Trainingsmittel zu finanzieren. Sei es im Karate, im Judo oder in sonsteiner anderen Kategorie, die großen Willen und einen noch größeren Aufwand erfordert.

Es geht hier um Disziplinen, die in der Regionalzeitung gerade so auf die rechte untere Ecke der letzten Seite abgeschoben werden und in den überregionalen Sportberichterstattungen nicht einmal Erwähnung finden, während die Cristiano Ronaldos dieser Welt Tag für Tag auf jeder großen Startseite beim Torjubel herumturnen oder in der Zeit beim Frühstücken einen Porsche verdienen.

Das soll keineswegs die Leistung großer Sportikonen schmälern oder den Druck der großen Sportmedien verharmlosen, aber einen Blick für die andere Sportwelt öffnen, die um jeden Euro und jede Schlagzeile kämpfen muss. Für viele Sportler aus Randsportarten entsteht außerdem finanziell der Druck, die eigene Sportart an den Nagel hängen zu müssen, um sich ganz auf Schule oder Beruf zu konzentrieren. Die Galanacht des Sports ist auch dazu da, diesen oftmals jungen Talenten neue Motivation zu geben, das Handtuch auch dann nicht zu werfen, wenn die eigene Disziplin in diesem Monat wieder mal keine zehn Minuten Sendezeit in der ARD bekommen wird.

Chapeau für diese Einstellung. Mit diesem Hintergrund sollte es dann auch möglich sein, sich knappe drei Stunden Ehrungen anzuhören, bis auch der letzte Sportler seine Urkunde in Empfang genommen hat. Auch wenn man das Konzerthaus dann ohne Selfie mit Jogi Löw verlassen muss.

 

 

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