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Sport & Freizeit

American Football: 17-jähriger Freiburger wird Nationalspieler

Jung, kräftig, talentiert: Julian Annerwall ist einer der besten American-Football-Spieler der Republik. Der 17-Jährige spielt im Angriff der Freiburg Sacristans Juniors. So hat er gerade den Sprung ins Nationalteam geschafft. Bei der EM-Qualifikation in den Niederlanden gelang seinem Team der erste Platz. Jetzt geht’s im Juli nach Frankreich.

 
 

Schulter an Schulter stehen die U19-Spieler der Sacristans auf dem Rasen am Dreisamufer. Dunkle Hose, rotes Shirt, lila Helm. Auf Kommando von Headcoach Jochen Kern geht’s los. Der mittlere Spieler wirft das Ei durch die Beine nach hinten zum Quarterback. Julian Annerwall, ganz rechts in der Reihe, sprintet nach vorne. Nur Bruchteile später setzt sein Quarterback zum Wurf an. Julian rennt, schaut, rennt, springt. Und verfehlt den Ball um Haaresbreite.

Beim Training auf dem Rasen der FT 1844 in Littenweiler übt das Juniorteam Spielzüge. Bei sengender Hitze erklärt Trainer Kern seinen Schützlingen, wie sie den Gegner überlisten können. Immer wieder gibt er Handzeichen, ruft seinen Spielern englische Wörter zu. „Das sind Spielzüge, wir können so schneller kommunizieren“, erklärt der 43-Jährige.

Sein Team ist in dieser Saison zurück in der Jugendbundesliga GFL Juniors Gruppe Süd. Einer der Schlüsselspieler ist Julian Annerwall. Er spielt Tight End, „ein Mix aus Offensive-Line-Spieler und Receiver“, erklärt Kern. Soll heißen: Julian spielt in der Offensive – je nach Spielzug schützt er seinen Quarterback, blockt beim Laufspiel für seine Runningbacks vor oder sprintet los, um den Ball zu fangen.

„Julian ist eine multifunktionale Angriffswaffe“, schwärmt Kern. Er sei athletisch, ehrgeizig und habe sehr gute Hände. Elementar wichtig, um im vollen Lauf einen Pass über 30 oder 40 Meter zu fangen. Was der Gegner mit allen Mitteln verhindern will.

Julian macht seine Sache gut. So gut, dass er kürzlich den Sprung in die Jugendnationalmannschaft geschafft hat. Als erst zweiter Freiburger seit der Sacristans-Gründung 1991. So fuhr er Anfang Juni als Teil des 45-Mann-Kaders zur EM-Qualifikation in die Niederlande. Dort war er einer von zwei Tight Ends – und konnte sich gegen internationale Gegner beweisen. Ein Traum. „Das ist riesig, darauf arbeitet man hin“, sagt Julian mit ruhiger Stimme. Auf dem Platz brodelt’s in ihm, außerhalb ist er die Ruhe in Person.

Ganz auf sich gestellt war er beim Quali-Turnier nicht. Seine Mutter begleitete ihn. Und Sacristans-Coach Kern ist im Trainerteam der Jugend-Nationalmannschaft. Der gelang souverän die Qualifikation zur EM. Mit 51:0 fegte der amtierende Vize-Europameister die Schweiz vom Feld. Mit 43:0 wurde Spanien geschlagen.

Somit ist das EM-Ticket sicher. Am 14. Juli geht’s im Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Frankreich. Für Julian ist das nicht nur die Gelegenheit, auf höchstem Level Erfahrung zu sammeln. Er kann sich dort auch auf großer Bühne zeigen. Schließlich ist die Zukunft offen. Sein Abitur hat er in der Tasche. Ein College in den USA würde ihn reizen. „Wenn da ein gutes Angebot kommt, würde ich nicht nein sagen“, meint Julian.

Doch der Sprung ins Mutterland des American Football ist schwer. „Die warten nicht auf deutsche Spieler“, sagt Kern. Er traut es Julian dennoch zu. Die Einstellung stimme, das Talent sei da. Nur am „Blocking“ müsse er noch arbeiten. Das weiß auch Julian, der bescheiden an die Sache rangeht. „Ich habe auch hier Perspektiven“, sagt er. Ein Studium in Deutschland könne er sich genauso vorstellen.

Wie gut er fangen kann, zeigt er im Training. Nach einem kurzen Sprint fischt er das Ei aus der Luft. „Woooow“, rufen die Mitspieler. Doch große Jubelarien sind nicht seine Art. Er geht zurück in die Reihe, wartet auf den nächsten Wurf. „50 Prozent im Football sind Physis, 50 Prozent Psyche“, erklärt er. Nur mit vollem Fokus kann der große Wurf gelingen.

 

 

 

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