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Sport & Freizeit
Alles über das Gehör
Ein rasselnder Ball, "Voy"-Rufe, klopfen gegen die Torpfosten und Zuschauer, die keinen Mucks von sich geben - keine gewöhnliche Szene auf einem Fußballplatz. Ein Spieler im gelben Trikot startet einen Angriff auf das Tor der gegnerischen Mannschaft. Er trägt eine blaue Augenbinde. Alexander Fangmann ist 23, Student an der Uni Tübingen und erfolgreicher Fußballspieler. Seit seiner Kindheit ist Alexander begeistert vom runden Leder. Die Netzhautablösung, an der er im Alter von acht Jahren erblindete, konnte ihn nicht davon abhalten, sein liebstes Hobby weiterzuführen.
Erfolgreicher Spieler
Inzwischen spielt er nicht nur in der Blindenfußballbundesliga, sondern ist auch Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Dribbeln, Strafstoß und Neunmeter: Für Alexander und seine Mannschaftskollegen steht das volle Programm eines Fußballtrainings auf dem Plan. Einmal in der Woche trainiert der Rhetorikstudent mit der Blindenfußballmanschaft des MTV Stuttgart; ein weiteres Mal beim Hochschulsport seiner Uni. Gerade testet er in einem Probespiel seinen Trainingsstand.
Spielen mit Guide
Bis auf den Torwart und einen sogenannten Guide, der hinter dem Tor Anweisungen gibt, sind alle vier Feldspieler blind. Aus Fairnessgründen tragen die Fußballer eine Augenbinde, denn einige von ihnen können noch Umrisse oder Schatten erkennen. Alexander passt seinem Mannschaftskollegen Jörg den Ball, dieser läuft Richtung Tor, wird aber von einem gegnerischen Spieler aufgehalten. Bundestrainer Ulrich Pfisterer pfeift: Strafstoß! Der gegnerische Spieler hatte nicht mit einem "Voy" auf sich aufmerksam gemacht. Das ist spanisch und heißt soviel wie "Ich komme".
Kommunikation ist das A und O
Rasselnder Ball
Beim Blindenfußball läuft alles über das Gehör. Kommunikation zwischen den Spielern ist das A und O. Nur so können sie sich auf dem Platz orientieren. Deshalb müssen die Spieler auch akustisch klarmachen, dass sie angreifen. Das Spielfeld ist mit 20 mal 40 Metern deutlich kleiner als beim gewöhnlichen Fußball. Begrenzt wird es durch Banden, an denen sich die Spieler entlang tasten oder über die Bälle gepasst werden können. Die Bälle sind mit Rasseln gefüllt, damit die Spieler sie hören können und sind außerdem etwas kleiner und schwerer als der Standardball. Hohe Pässe gibt es im Blindenfußball nicht. Bis auf diese wenigen Ausnahmen läuft ein Blindenfußballspiel aber genau so rasant und spannend ab wie ein Spiel sehender Fußballer.
Junger Sport
Die Geschichte des Blindenfußball in Deutschland ist noch jung. Im Mai 2008 fand die erste Bundesliga statt. International konnten sich Alexander und seine Mannschaftskollegen bereits 2007 in Athen bei der Europameisterschaft im Blindenfußball mit anderen Mannschaften messen. "Leider erreichten wir nur den siebten Platz - aber Spaß gemacht hat es trotzdem", sagt Alexander. Bis vor kurzem gab es in Deutschland noch keine feste Vereinsorganisation, wie das beispielsweise in Südamerika, England oder Spanien - daher übrigens auch der spanische Begriff "Voy" - schon viele Jahre der Fall ist. Inzwischen wird der Sport auch in Deutschland gefördert, unter anderen vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und dem Deutsche Behindertensportverband (DBS).
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