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Sport & Freizeit

„Die ganze Zeit Nudeln mit Ketchup“ - zis-Reisestipendien: Wenig Geld, viel Abenteuer

„Reise alleine, ohne zu fliegen und ohne eigenes Auto für mindestens vier Wochen in ein fremdes Land. Gib dabei nicht mehr als die Stipendiensumme von 600 Euro aus. Führe Tagebuch und schreibe einen Bericht über das Thema deiner Reise.“ Wer die Bedingungen eines zis-Stipendiums zum ersten Mal liest, ist meist verwundert. Viele bezweifeln, dass man mit 600 Euro vier Wochen unterwegs überleben kann. Auch Lukas Gückler (20) musste sich erst mit diesen Bedingungen anfreunden: „Ein paar Forderungen haben mich schon gestört.“ Lukas war letzten Sommer einen Monat lang in den Schweizer Alpen, um die Auswirkungen des Bergtourismus auf diese Region zu erforschen. „Im Nachhinein macht jede der Bedingungen für mich Sinn“, sagt er. „Ich habe viel über mich selbst gelernt und bin selbstständiger geworden, was mir jetzt im Studium extrem hilft.“

 
 

Während seiner vier Wochen in den Bergen musste er auf vieles verzichten: „Ich habe die ganze Zeit Nudeln mit Ketchup gegessen. Das konnte ich mir leisten.“ Eine zis-Reise fordert gewisse Opfer, aber man gewinnt überwältigende Erfahrungen. Lukas kann sich besonders gut an den Schweizer Nationalfeiertag erinnern: „Ich saß auf über 2000 Metern Höhe und hab ins Tal geschaut, wo Feuerwerk gezündet wurde. Das sah unglaublich aus.“ Es sind solche Anekdoten, die die Stipendiaten mit zum Maitreffen bringen, das jedes Jahr in Salem am Bodensee stattfindet. Dort kommen die Gereisten des letzten Jahres, die Kandidaten fürs neue Jahr, andere Ehemalige und die ehrenamtliche Jury zusammen. Das Maitreffen bietet die Möglichkeit, noch einmal auf die eigene Reise zurückzublicken und Erfahrungen an die Nachfolgenden weiterzugeben. Tagebücher und Berichte liegen aus, und in der Luft liegt ein Hauch von Abenteuer und Freiheit.


Seit 1956 gab es mehr als 1500 zis-Reisen
in fast 80 Länder. Im Laufe der Zeit hat sich einiges verändert: Seit Mitte der Siebziger dürfen auch Mädchen reisen, und die Stipendiensumme (anfangs 220 Deutsche Mark) hat sich den erhöhten Lebenshaltungskosten und der Inflation angepasst. Trotz der Veränderungen ist zis im Kern dasselbe geblieben: Ein illustrer Haufen junger Menschen, von Abenteuerlust geeint.


Für Lukas und die anderen Gereisten
ist das Maitreffen eine Art Abschluss, für den nächsten Jahrgang der Startschuss der eigenen Reise. Danach ist man überzeugter, dass es tatsächlich klappen kann: vier Wochen allein im Ausland, mit 600 Euro und einer verrückten Idee. „Eine solche Reise ist eine nicht immer erfreuliche Erfahrung“, resümiert Lukas. „Aber eine, die ich auf keinen Fall missen möchte.“


Infos // www.zis-reisen.de

 
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