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Spiel & Spass

Im Pokemon-Fieber: Kim Fehrenbach spielt bis zu neun Stunden am Tag

Pokémon Go hat ihr Leben verändert: Die 20-jährige Kim Fehrenbach aus Endingen jagt bis zu neun Stunden am Tag Pikachus und Co. Auch nachts. Sogar ihr Fahrrad hat sie dafür umgebaut. In ihrem Freundeskreis gibt es vor lauter Pokémon-Fieber auch mal Zoff. Dem f79 erzählt Kim von der virtuell-realen Jagd.

 
 

Es ist Mittwoch, der 13. Juli 2016. Offizieller Start von Pokémon Go in Deutschland. Aufgeregt halte ich mein Handy in der Hand, als es plötzlich vibriert. Ohne zu zögern renne ich die Treppe runter und stürme aus der Haustür, ignoriere dabei meine beste Freundin, die gerade klingelt. Mit den Worten „Da ist ein Bisasam in meinem Garten!“ stürme ich an ihr vorbei. Zusammen rennen wir durch den Garten, bis mir auffällt, dass ihr Freund uns ebenfalls aufgeregt folgt. Vor lauter Aufregung habe ich ihn komplett übersehen. Ich werfe den Pokéball auf Bisasam und fange es. Stolz halte ich mein Handy meinen Freunden unter die Nase. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie sich diese Pokémonsuche noch entwickelt.

Kurz zu mir: Ich heiße Kim Fehrenbach, bin 20 Jahre alt und komme aus dem schönen Städtchen Endingen. Momentan warte ich auf die Zusage für einen Studienplatz. Um mir die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten, zocke ich. Hauptsächlich GTA online. An manchen Tagen schaffe ich es auf bis zu 15 Stunden. Hauptsächlich verschanze ich mich also in meinem Zimmer. Das hat sich jetzt geändert.


Jetzt sitze ich nicht mehr den ganzen Tag vor der PS4. Nein, ich verlasse tatsächlich das Haus, denn ich habe ein neues Ziel vor Augen: Ich will die Allerbeste sein! Seit ich mein erstes Pokémon gefangen habe, bin ich dem Hype verfallen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht auf der Suche nach Pikatchu, Glumanda und Co. bin. Die ersten zwei Tage war ich noch zu Fuß unterwegs, bis mir ein Geistesblitz kam. Ich habe das Ende eines Selfiesticks abgeschraubt und mit ordentlich Klebeband am Lenker meines Fahrrads befestigt. Das war die Geburtsstunde meines Pokébikes. Bequem navigiert mich mein Handy nun von Pokéstop zu Pokéstop, während ich meine Eier schneller ausbrüten kann.


Auf den Straßen bin ich keineswegs alleine. Jeden Tag treffe ich etliche Kids mit ihren Handys in der Hand, die sich um ein Lockmodul scharen. Genau das ist ein Grund, warum mir das Spiel so gut gefällt. Als ich noch klein war, bin ich zum Spielen einfach aus dem Haus gelaufen und habe bei Freunden geklingelt. Nix mit WhatsApp, Facebook und Twitter. Jetzt ist das wieder so. Wenn ich Lust auf Gesellschaft habe, laufe ich zum nächsten Lockmodul. In 90 Prozent der Fälle treffe ich dort ein bekanntes Gesicht. Die meisten meiner guten Freunde sind dem Spiel ebenso verfallen. Darum kann es schon mal sein, dass wir bis tief in die Nacht auf der Suche sind.

 

Im Fieber: Hinter dem Freiburger Münster tummeln sich unzählige Pokémon-Spieler.

 

Manchmal, wenn wir uns einem Lockmodul nähern, sagen wir laut und deutlich die Kampfansage von Team Rocket auf, einfach weil wir’s können. Leider sind wir nicht immer alle im selben Team, warum es manchmal auch zu kleinen Zankereien kommt. Denn seien wir mal ehrlich: Das beste Team ist und bleibt wohl Team Blau. Doch das ist ein anderes Thema.


In den ersten Tagen sah es für mich sehr vielversprechend aus. Bis vor einer Woche war ich manchen Freunden um einige Level und Pokémon überlegen. Dann war ich für fünf Tage auf Tomorrowland, einem Festival in Belgien. Das war das Einzige, das mich das Spiel für ein paar Tage vergessen ließ. Das Ganze hatte aber auch seinen Preis. Manche haben mich um bis zu zehn Level überholt und haben viel stärkere Pokémon entwickelt. Jetzt bin ich natürlich noch motivierter, Pokémon zu fangen!


Im Moment bin ich in Level 16, habe mir aber vorgenommen, bis Ende der Woche in Level 22 aufzusteigen. Das braucht Zeit. Kein Problem für mich, denn ich komme am Tag auf sieben bis neun Spielstunden. Das klingt selbst in meinen Ohren verrückt – man rennt schließlich den ganzen Tag durch die Stadt auf der Suche nach virtuellen Monstern.


Richtig verrückt kam ich mir erst vor, als ich realisierte, dass ich um 2 Uhr nachts mit einem Schlafsack an einem Lockmodul campierte. Aber hey, es war wirklich richtig kalt! Worüber ich mich auch immer wieder freue ist, dass ich von der Toilette aus bequem auf einen Pokéstop zugreifen kann. Kann bei dem einen oder anderen Lockmodul schon mal praktisch werden.

 

Verrückte Jagd: Der Pokéball muss auf das Monster geworfen werden.

 

So viel Spaß mir das Spiel auch macht, gibt es natürlich auch negative Aspekte. Nicht nur, dass die Server des Öfteren überlastet sind. Auch beim Öffnen der App macht der Hersteller darauf aufmerksam, stets seine Umgebung im Auge zu behalten. Ich bin beispielsweise schon mit dem Kopf durch eine auf den Gehweg wachsende Hecke gelaufen oder habe mir die Schienbeine in einem Rosenbusch zerkratzt. Harmlos im Gegensatz dazu, was anderen eifrigen Spielern widerfahren ist. Fast täglich bekommt man mit, dass unachtsame Kinder auf stark befahrene Straßen laufen. Auch werden Lockmodule immer wieder als Fallen missbraucht, um ahnungslose Spieler zu überfallen. Als ich nachts um 3 Uhr mal von einem Lockmodul angelockt wurde, war ich in einer stockdunk-len Gasse. Als ich mich umsah und niemand zu sehen war, verschwand ich so schnell wie ich aufgetaucht bin. Nachts hab ich schon manchmal ein mulmiges Gefühl. Darum ist es für mich verständlich, dass es viele Kritiker gibt.


Entweder man liebt das Spiel oder man hasst es. Freunde und Bekannte, die es nicht spielen, reagieren meist genervt. Da fallen Sätze wie: „Kim? Hast du eigentlich keine Hobbys?“ oder „Dieses blöde Spiel ist sowas von sinnlos und langweilig.“ Das stört mich nicht. Schließlich ist mir bewusst, dass mich das Spiel immer wieder auf dumme Ideen bringt. Ich habe zum Beispiel mal eines nachts einen Spieler verfolgt, weil ich nicht wusste, zu welchem Team er gehört und ich nicht wollte, dass er meine frisch eroberte Arena wieder einnimmt. Dass ich ihm auf den Fersen war, hat er allerdings nicht mitbekommen. In diesem Moment konnte ich nur erahnen, wie sich wohl das Team Rocket fühlen muss, wenn es irgendwelchen Trainern nachstellt. Jedoch weiß mein Nachbar genauso wenig, dass ich schon zweimal nachts vor seinem offenen Fenster stand, weil ich gerade auf Pokémonsuche war. Klingt verrückt. War es auch. Jedoch kann ich felsenfest behaupten, dass ich für andere Spieler keinerlei Gefahr darstelle. Von den ganzen Streitereien zwischen den Teams halte ich nichts. Wobei ich über die ein oder anderen neckischen Sprüche immer wieder herzlich lachen muss.


Im Großen und Ganzen bin ich ein riesiger Pokémon-Go-Fan. Ich hoffe, dass der Hype noch eine Weile anhält und Nintendo noch einige Updates rausbringt, die den Spielspaß erhöhen. Aber ich sage es noch mal: Augen auf beim Spielen!

 

Gewinnspiel:

f79 verlost drei Spiele für Nintendo 3DS:

Pokémon Alpha Sapphir, Pokémon Super Mystery Dungeon
und Pokémon Rumble World.

Ihr wollt gewinnen? Schreibt bis zum 31.9 eine Mail an gewinnspiel@f79.de mit dem Stichwort Pokémon.

 

 

 

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