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Spiel & Spass

HOKUSPOKUS HOROSKOP - Sterndeuterei: Wissenschaftliche Vision oder Geldmacherei?

Jeder kennt sie, viele lieben sie und nicht jeder glaubt an sie! Floskeln wie „Venus fordert dich auf, mehr aus dir herauszugehen“ oder „Du neigst dazu, deine Kräfte zu überschätzen“ hat wohl jeder schon mal gelesen. Doch was steckt wirklich dahinter? Sind Horoskope ein ernstzunehmender Ratgeber, um Entscheidungen zu treffen oder doch nur eine spaßige Pseudo-Prophezeiung? Was steckt wirklich hinter dem „Hokuspokus Horoskop“?

 
 

Das wahrscheinlich von Jugendlichen meistgelesene Horoskop ist das der Bravo. „Die Seite soll nicht nur Nutzwert bieten, sondern auch unterhalten“, erklärt Bravo-PR-Referentin Katrin Hienzsch. Bei den Bravo-Horoskopen steht also der Spaß-Charakter im Vordergrund. Wert legt die Jugendzeitschrift dabei auf die speziell für junge Leser attraktiven Inhalte. „Wichtig ist eine seriöse und zielgruppengerechte Aufbereitung“, so die Referentin weiter, „Rubriken, Sprache und Textmenge sind speziell auf junge Leser abgestimmt.“ Wie bei vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften – etwa auch beim Freiburger Wochenbericht – wird das Horoskop bei der Bravo nicht von hauseigenen Redakteuren, sondern von einem externen Autor geschrieben. „Unsere Horoskop-Autorin ist definitiv keine Astrologin“, gesteht PR-Referentin Hienzsch ein – der „wissenschaftliche“ Wert der Seite ist also zumindest fragwürdig.


Unbestritten sind die Horoskope ungeheuer beliebt. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach lesen etwa 75 Prozent regelmäßig ihr Horoskop in Zeitungen oder Zeitschriften. Die Shell-Studie aus dem Jahr 2003 stellt jedoch fest, dass nur knapp 22 Prozent der Befragten zwischen 12 und 25 Jahren wirklich daran glauben, was ihnen in ihrem Horoskop prophezeit wird. Und vermutlich liegen sie damit goldrichtig.


Besonders bei Horoskopen in Zeitungen und Magazinen fällt auf, dass die Aussagen schwammig und ungenau sind. „Die Texte sind so konstruiert, dass sie sowohl für die breite Masse als auch für jeden Einzelnen gelten“, erklärt Sprachwissenschaftlerin Katja Furthmann. „Die ‚Vulgär-Astrologie‘ mit den Sternzeichen-Texten, die man in Zeitschriften finden kann, das ist einfach Unterhaltung und wird völlig zu Recht von wissenschaftlich denkenden Menschen kritisiert“, findet auch Berufsastrologin Andrea Rust. Ein „echtes“ Horoskop wird ganz individuell erstellt und berücksichtigt Geburtsdatum, -zeit und -ort. Aber lassen sich daraus dann Rückschlüsse auf den Charakter herstellen? Gibt es Verbindungen zwischen den Bewegungen der Sterne und dem Lebenslauf des Einzelnen?


Astronomen, die sich wissenschaftlich mit dem Lauf der Sterne befassen, halten das für Hokuspokus. In ihren Augen ist die Astrologie reine Geldmacherei. Allerdings ist die Feindschaft zwischen Astronomen und Astrologen gar nicht so alt. Bis zur Aufklärung galt sowohl die Erforschung der Sterne als auch die Frage nach dem Sinn, den die Bewegung der Sterne hat, als „wissenschaftlich“. Viel jünger als der Streit der Sterngucker ist allerdings die Erfindung der Zeitungshoroskope. Die gibt es erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts und – da sind sich Astrologen und Astronomen ausnahmsweise einmal einig – sie sind völlig unsinnig. Ebenso einig sind sich aber Millionen von Lesern und Leserinnen, die finden, dass die tägliche oder wöchentliche Lektüre dieses Sterngucker-Nonsens schlichtweg Spaß macht!

 
 

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