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Spiel & Spass

Kurz-Krimi // "Rachespielchen"

Ein ungeklärter Mord. Viele Verdächtige, doch nur ein wahrer Mörder. Ein schwieriger Fall für Kommissar Kirrmann. Wird er den Mörder fassen? Im Rahmen der Schreibwerkstatt der Klasse 10 am Königin-Charlotte-Gymnasium Stuttgart/Möhringen haben Kai, Lena, Anne, Irene und Lukas diesen kurzen Krimispaß ausgetüftelt - findet ihr den Mörder?

 
 

Die Tote im Wald

Als sich Kommissar Frank Kirrmann über die Frauenleiche beugte, überkam ihn wieder diese Leere, die er immer verspürte, wenn er an einen Tatort kam. Aber es war nun mal sein Job. Er schaute sich die Tote einfach nur an. Von hinten hörte er Schritte näher kommen. Kirrmann drehte sich um. Der Leiter der Spurensicherung kam auf ihn zu.
„Guten Morgen Frank, gut geschlafen?“
„Ja, kannst du schon etwas zur Todesursache sagen?“
„So wie es aussieht hat sie einen Schädelbasisbruch erlitten. Neben ihrem Kopf haben wir einen blutbefleckten Stein gefunden.“
„Wie lange liegt sie denn schon hier?“
„Ungefähr zwei Wochen, ein Spaziergänger hat sie gefunden.“
„Konnte sie schon identifiziert werden?“
„Ja, die Daten ihres Personalausweises stimmen mit einer Vermisstenanzeige überein. Es handelt sich um Eva Lindenberg. Du musst noch ihre Familie benachrichtigen. Ihr Ehemann heißt Matthias Lindenberg.“

Erste Vernehmung der Verdächtigen

Kirrmann ging zu einem modernen Einfamilienhaus und klingelte. Ein großer, vornehm gekleideter Mann öffnete ihm die Tür.
„Ja bitte, wie kann ich Ihnen helfen?“
„Frank Kirrmann, Kriminalpolizei Stuttgart, darf ich kurz reinkommen?“
Verwundert schaute Evas Ehemann ihn an. Doch dann verdunkelte sich sein Blick.
„Es geht um Eva, oder? Gibt es Neuigkeiten?“
„Ja, ich habe leider eine schlechte Nachricht“
Auch diesmal blieb Frank Kirrmann der Anblick eines Zusammenbruchs nicht erspart.
Wieder zurück in seinem Auto, dachte er über das nach, was er von Matthias Lindenberg erfahren hatte. Eva hatte eine beste Freundin, Jasmin, mit der sie immer zusammen Schwimmtraining hatte, ihr sollte er auf jeden Fall auch noch einen Besuch abstatten. Beim Schwimmtraining wurde Eva das letzte Mal gesehen, ihr Trainer Ralf war der Letzte mit dem sie gesprochen hatte.
Gerade müsste die Mannschaft Training haben, also beschloss Kirrmann zur Schwimmhalle zu fahren.
Dort angekommen, wurde er Zeuge eines Streits zwischen dem Trainer Ralf und einer hübschen jungen Frau in der Umkleidekabine.
„Ralf, bitte lass mich los, du weißt doch dass ich dass nicht will!“
„Stell dich doch nicht so an Jasmin, sonst war es doch auch noch kein Problem für dich!“

Als Frank an den Türrahmen klopfte zuckten sie beide zusammen.
„Was haben Sie hier zu suchen?“, fuhr Ralf ihn an.
„Frank Kirrmann, Kriminalpolizei Stuttgart, ich ermittle in einem Strafdelikt. Sie sind der Trainer der Schwimmmannschaft, darf ich annehmen?“
„Ja, der bin ich, worum geht es?“
„Können wir zuerst einmal unter vier Augen miteinander reden?“
Die Frau wandte sich Kirrmann zu.
„Entschuldigen Sie, ich bin Jasmin Wagner, es geht doch nicht etwa um Eva oder?“
„Sie sind also die beste Freundin von Eva Lindenberg?“
„Ja, haben Sie sie gefunden?“
„Wenn Sie bitte kurz draußen warten würden. Ich möchte gerne nachher auch noch mit Ihnen sprechen.“
„Ja, ja natürlich, ich warte draußen.“

Trotz dem aufgesetzten Lächeln bemerkte er die Trauer in ihren Augen und sah wie ihr die Tränen hochkamen. Schnell wandte sie sich ab und lief nach draußen. Als sie sich umdrehte, blitzte im Sonnenlicht ein auffälliger Ring auf. Ein Ring, den er schon einmal gesehen hatte... An Evas Hand?
Verwirrt drehte sich Frank Kirrmann wieder zu dem Trainer um, der ebenfalls mit der Fassung rang.
„Sie haben Eva gefunden?“
„Ja, es tut mir leid, haben sie sie gut gekannt?“
„Ja, sie hatte schon mehrere Jahre bei mir Training und auch persönlich verstanden wir uns recht gut.“
„Es hieß, sie seien der Letzte gewesen der Frau Lindenberg lebend gesehen hat. Haben sie sich nach dem Training noch mit ihr getroffen?“
„Ja, wir haben uns noch unterhalten, danach ist sie alleine heimgelaufen.“
„Ist irgendetwas Besonderes vorgefallen bei ihrem Gespräch? Worüber haben sie sich denn unterhalten?“
„Nichts besonderes, nur über das Training. Aber wenn sie genaueres über Eva wissen wollen, fragen sie doch Jasmin, die wartet draußen auf Sie.“
„Vielen Dank, ich melde mich dann bei Ihnen.“

Zusammenfügung der Puzzleteile

Gleich am nächsten Morgen fuhr Kommissar Kirrmann noch einmal zum Tatort zum Wald nahe der Schwimmhalle. Er versuchte die einzelnen Puzzelteile zusammenzufügen. Jasmin hatte gesagt, dass sie Ralf in Verdacht hat. Sie hatte die Beiden zusammen weggehen sehen und hatte schon immer ein ungutes Gefühl, dass zwischen Ralf und Eva etwas lief, da Ralf sich schon öfters an jungen Frauen vergriffen hatte. Aber welches Motiv sollte Ralf haben? Darauf fand er keine Antwort. Er durfte sich nicht nur auf diesen einen Verdächtigen konzentrieren.

Erster Monolog des Mörders

„Sie haben sie gefunden. Dieser Kommissar war auch schon bei mir. Hoffentlich kommt der Kerl nicht noch einmal vorbei, obwohl ich nicht denke, dass der Verdacht auf mich fällt. Niemand weiß, dass es bei uns in letzter Zeit nicht so gut lief. Aber wie konnte sie sich nur auf diesen Typen einlassen? Dafür musste sie bestraft werden. Sie gehört nur mir allein. Sie hat mir erzählt, dass es aus zwischen ihnen sei, aber dann habe ich sie wieder zusammen gesehen und dafür musste sie mit ihrem Leben bezahlen. Eigentlich habe ich es nicht geplant, aber rückgängig machen kann ich es nicht mehr. Sie hat es verdient.“

Neue Indizien

Nach dem Anruf von Jasmin beschloss Kommissar Kirrmann, noch einmal zu Matthias zu fahren, denn von Jasmin hatte er erfahren, dass Eva ein Verhältnis zu ihrem Schwimmtrainer Ralf hatte. Wusste Matthias davon? Nachdem er zum Haus der Lindenbergs gefahren war, traf er Matthias in der Hofeinfahrt des Hauses an. Dieser wollte soeben in sein Auto steigen.
„Herr Lindenberg, warten Sie bitte. Ich habe noch ein paar Fragen an Sie.“
„Tut mir Leid, ich bin in Eile. Was gibt es denn wichtiges? Haben sie den Mörder schon gefunden?“
„Noch nicht, aber wissen Sie, dass Ihre Frau ein Verhältnis zu ihrem Trainer Ralf hatte?“
„Nein, so was würde sie nie tun! Was unterstellen Sie meiner Frau? Wer hat das denn behauptet? Sicher diese Jasmin, die wollte uns schon immer auseinander bringen!“
„Das tut nichts zur Sache. Lief es in Ihrer Beziehung in letzter Zeit nicht so gut? Könnte das Verhältnis etwas mit Evas Tod zu tun haben?“
„Das sollten Sie mal lieber diesen Ralf fragen. Meine Frau hat mir erzählt, er habe sie schon einmal belästigt, vielleicht war er wütend auf sie, weil sie nichts mit ihm anfangen wollte. Ich muss jetzt wirklich los! Auf Wiedersehen.“

Jasmins Verschwinden

„Ralf, weißt du wo Jasmin ist? Sie war jetzt schon seit 2 Tagen nicht mehr im Training.“, fragte Ina, eine Teamkollegin von Jasmin.
„Ich weiß nicht. Vielleicht geht es ihr in letzter Zeit nicht so gut, wegen Evas Tod, du weißt schon.“
„Naja, das sieht Jasmin aber gar nicht ähnlich. Sonst war sie doch auch immer im Training und wenn sie nicht kam hat sie sich abgemeldet.“
„Guck mal wer da kommt, was macht der denn schon wieder hier?“
„Guten Tag, Kommissar Kirrmann mein Name, wir kennen uns ja schon. Ich habe noch ein paar Fragen an Sie. Ich habe gerade ihr Gespräch mitbekommen. Wissen Sie wirklich nichts Genaueres von Jasmin?“
„Nein tut mir Leid, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. Vielleicht sollen Sie mal bei ihr in der Wohnung nachschauen, nicht das ihr noch etwas passiert ist.“
„Vielen Dank, das werde ich tun. Aber ich habe noch eine andere Frage an Sie. Warum haben sie mir nicht erzählt, dass sie ein Verhältnis mit Eva hatten?“
„Hmm… Also, naja… Ja, Stimmt schon. Das zwischen uns war etwas Besonderes. Sie hat sich bei Matthias einfach nicht mehr wohlgefühlt. Er wurde schnell eifersüchtig und Eva brauchte einfach immer ihre Freiheit und fühlte sich deswegen von ihm eingeengt. Und... Dann ist es einfach passiert.“
„Also haben Sie am letzten Tag auch nicht NUR mit ihr geredet, habe ich Recht?“
„Ja, aber danach wollte sie nach Hause gehen, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte.“
„Sie waren nicht eifersüchtig auf Matthias, dass sie ihn mehr liebte als Sie?“
„Sie wollte nur noch etwas warten. Dann hätte sie sich sicher für mich entschieden.“

Zweiter Monolog des Mörders

„Ich musste so handeln, dieser elende Kommissar wäre sicher auf mich gekommen. Was weiß ich, was sonst noch rausgekommen ist! Eva gehörte mir, mir allein.“

Das Diktiergerät

Nachdenklich kehrte Frank von seinem Besuch in der Schwimmhalle zurück. Fast wie von selbst schloss er die Tür auf und ging in das Wohnzimmer um sich auf die Couch fallen zu lassen und alle Antworten Revue passieren zu lassen. Ralf war verdächtig, von Anfang an, er verhielt sich seltsam. Aber was war mit dem Ehemann? Und Vor allem- wo war Jasmin? Völlig in Gedanken versunken glitt sein Blick durch den Raum bis ihm etwas einfiel. Wollte er nicht zu Jasmins Wohnung fahren um sich dort ein wenig umzusehen? Er erhob sich von der Couch und war innerhalb kürzester Zeit wieder in seinem Wagen.

Bei Jasmins Wohnung läutete er vergeblich, keiner war da. Verstohlen schaute er sich um. Aber wer sollte ihn schon beobachten? Mit seinem Dietrich war er schnell in der Wohnung. Doch wonach suchte er eigentlich? Was wollte er hier? Da sah er etwas auf dem Tisch liegen. Ein Diktiergerät. Gespannt schaltete er es an.

„- war heute bei Matthias, um ihn zu fragen, ob er das mit der Affäre wusste. Im ersten Moment hat er total merkwürdig reagiert, vielleicht dachte er, dass schon wieder dieser Kommissar bei ihm vorbeischaute. Als ich ihn darauf angesprochen habe, hat er mich bedroht, ja nichts davon der Polizei zu verraten. Er ist richtig wütend geworden, ich glaube- Was machst du denn hier Matthias?! Lass mich-“ Das Diktiergerät fiel zu Boden, es gab ein ohrebetäubendes Geräusch, dann hörte man Jasmin schreien: „ Wo bringst du mich hin? Warum in diese Waldhütte am See? Ahhh- Matthias lass mich los!“

Die Hütte im Wald

Der Kommissar kombinierte blitzschnell. Matthias war also der Mörder, warum war er da nicht gleich draufgekommen? Ein eifersüchtiger Ehemann, ein häufiges Motiv. Er musste sofort zu der besagten Hütte am See fahren, nicht das Jasmin auch noch etwas zustieß. Aber wieso hatte Matthias sie entführt? Hatte er Angst es könnten noch mehr geheimnisvolle Sachen über ihn rauskommen? Und warum hatte er das Diktiergerät nicht bemerkt? Etwa war daran komisch. Aber egal, jetzt musste er erst einmal Jasmin retten! Eilig lief er zu seinem Auto und fuhr zum See, der gar nicht weit von Jasmins Wohnung entfernt lag. Aber wieso suchte sich Matthias wieder diesen Ort als Versteck aus? Dort wurde ja auch schon Eva ermordet. Wusste er nicht dass man dort nach Jasmin suchen würde?
Da drüben war ja schon die Hütte. Es war schon ziemlich dunkel, das Haus lag dort im Schatten der Dämmerung, inmitten eines Waldes. Er entschied sich dafür, seine Kollegen anzurufen, doch er hatte kein Netz. Sollte er sich anschleichen?

Plötzlich hörte er einen grellen Schrei. Jasmin? Was sollte er jetzt tun? Er rannte auf die Hütte zu, er musste handeln! Vorsichtig schaute er durch eines der Fenster, doch durch die verdreckten Scheiben konnte er nichts erkennen. Er entschloss sich den direkten Weg durch die Tür zu nehmen. Langsam drückte er die Türklinke herunter. Die Tür war nicht verschlossen und mit einem lauten Knarren öffnete sie sich, wie als ob sie ankündigen wollte, dass er kam. Er zuckte zusammen, nun wusste also auch der Mörder, dass er hier war. Was hatte er sich nur dabei gedacht, womöglich war Matthias bewaffnet. Mit zittrigen Händen zog er seine Dienstpistole die er immer bei sich trug. Behutsam schaute er um die Ecke. Er blickte in ein grinsendes Gesicht.
„Hallo Herr Kommissar, schön das sie hergefunden haben.“
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und alles war auf einmal logisch.

Die Erkenntnis

„Jasmin?“
„Mit wem haben Sie denn gerechnet?“
„Mit allen nur nicht mit Ihnen!“
„Tja, für ihre Dummheit müssen sie jetzt wohl bezahlen.“
Ein Schuss löste sich aus Jasmins Pistole, die sie versteckt hinter ihrem Rücken gehalten hatte. Doch der Kommissar reagierte blitzschnell. Er wich dem Schuss aus und warf sich auf den Boden, hinter eine Kommode. Auch er machte nun Gebrauch von seiner Pistole, doch der Schuss verfehlte Jasmin. Dann war alles still. Beide lauerten auf einen Fehler des anderen. Blitzschnell rollte sich Frank hinter der Kommode vor und feuerte einen Schuss ab. Er traf Jasmin an der Schulter. Sie ließ ihre Waffe fallen und sackte zu Boden.

Epilog

Drei Wochen später konnte Jasmin die Intensivstation wieder verlassen. Sie schwebe nun nicht mehr in Lebensgefahr. Frank nahm sich nach der Aufregung der letzten Wochen frei. Wer hätte schon ahnen können das Jasmin aus enttäuschter Liebe ihre Angebetete ermordet hatte. Den Verdacht hatte sie geschickt von sich abgelenkt. Fast wäre Frank ihrer Falle zum Opfer geworden. Sie wollte ihn auch umbringen, da sie dachte der Verdacht wäre schlussendlich doch auf sie gefallen. Doch zum Glück konnte er sich retten und der wahre Mörder wurde gefasst. Ein neuer Fall wartete schon auf ihn.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Schreibwerkstatt der Klasse 10 am Königin-Charlotte-Gymnasium Stuttgart/Möhringen

Website des Königin-Charlotte-Gymnasiums

 
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