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Schule & Projekte

Kühler Kopf und Panik: Laura erzählt vom Abistress

„Wie läuft's mit dem Lernen?“ Das ist die Einstiegsfrage für die meisten Gespräche in Lauras Schule geworden. Denn bald sind Abiprüfungen. f79-Autorin Laura Bärtle steckt selbst mittendrin. Die 18-jährige Freiburgerin berichtet von Lerngruppen, Ablenkung und fehlenden Ausreden.

 
 

Wie's mit dem Lernen läuft? Meine Antwort schwankt meist zwischen zuversichtlichem Nicken, gelassenem Schulterzucken oder auch Panik, Resignation und Frust. Der Berg an Lernstoff, den man Tag für Tag aufs Neue vor sich hat, wird nur langsam kleiner. Oft merkt man nur, wenn man zurückblickt, dass man doch schon etwas geschafft hat.


Lernplan, Überblick, Struktur, Zeitmanagement, Karteikarten, Wandplakate, Zusammenfassungen. Das waren vor ein paar Monaten für mich noch diese Streberdinge, die einem halbwarm von den Lehrern ans Herz gelegt werden und die mir jetzt den Stress erleichtern, oder zumindest dosieren.


Die Motivationslöcher füllt man in der Theorie am besten mit Bewegung, frischer Luft, sich mit Freunden zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. In der Praxis ist es draußen allerdings viel zu kalt. Mit Freunden vergleicht man aktuelle Lernstände und motiviert sich mal gegenseitig oder verbündet sich im Scheitern. Am Ende setzt man sich wieder an den Schreibtisch, will lernen und landet bei facebook oder schaut statt dem Mathevideo doch eine Serie. Wenn dann wieder die Frage von den Eltern kommt, wie es mit dem Lernen läuft: „Gut“

 

Ich bin bald 13 meiner 18 Jahre zur Schule gegangen. 13 Jahre Frontalunterricht für vier große Prüfungen. Die Zeit, in der man sich über „das Schulsystem“ beschwerte und kritisierte, was es zu kritisieren gab, ist vorbei. Jetzt wird gelernt: zum ersten und letzten Mal so, wie ich es schon immer tun sollte. Kein Spickzettel, nicht spontan krank werden, es gibt immer weniger funktionierende Ausreden und man verabredet sich zum gemeinsamen Lernen.


Es gibt nicht viel, das hilft. Außer weiterzumachen und das Gewissen jeden Tag zu beruhigen, indem man sich einfach Zeit dafür nimmt und dieses „ich muss noch“ möglichst klein zu halten. Im Endeffekt muss man es jetzt verstanden haben, dass man für sich selbst verantwortlich ist. Es kommt nicht auf die Prüfung an, sondern auf die Zeit jetzt, in der man das große Finale vorbereitet und mit dem Stress umzugehen lernen muss.


Was mir hilft, ist Umdenken: lernen, Hausaufgaben machen, üben. Das klang für mich in den letzten 13 Jahren danach, Zeit opfern zu müssen, die ich besser nutzen könnte. Jetzt ist es so, dass man diese Zeit investiert und danach zurückbekommt, was man sich erarbeitet hat und damit endlich sein Leben gestalten darf. Denn auch in dieser Marathonphase hilft es oft, sich einfach vorzustellen, was man „danach“ alles machen möchte und sich dabei nicht unter Druck zu setzen. Für Zukunftsängste ist nach den Prüfungen noch Zeit. Zur richtigen Zeit Angst zu haben, gehört auch zu strukturiertem Arbeiten.


Es tut gut zu wissen, dass es jetzt wirklich bald vorbei ist. Es ist zielgerichtetes Lernen, auf dieses große Finale hin und danach Freiheit. Das große Ungewisse, ich freue mich darauf und habe auch ein bisschen Angst, stelle die aber hinten an. Bis dahin gilt es: einatmen, ausatmen. Weitermachen.

 

 

 

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