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Schule & Projekte

Schwupps, ist das Handy weg - Schummelzone: Smartphones an der Schule

Handys sind im Unterricht tabu. Das berichten Carolin und Miriam von ihren Freiburger Schulen: dem St. Ursula Gymnasium und dem Deutsch-Französischen Gymnasium (DFG). Doch im Detail gibt’s Unterschiede. Denn am am DFG hat ein Flashmob so einiges bewirkt. Heimlich genutzt wird es in beiden Schulen.

 
 

Carolin Lerner, St. Ursula Gymnasium


Die Regeln
Im St. Ursula gibt’s Handyverbot auf dem gesamten ­Schulgelände. Das Handy muss ganz ausgeschaltet werden.

Die Strafen
Wenn man erwischt wird, einfach schnell Namen und Klasse auf ein Stück Papier schreiben, schon ist das Handy auf dem Weg ins Sekretariat. Erst nach Unterrichtsschluss darf es dort wieder abgeholt werden. Wird man mehrmals erwischt, muss das Handy beim Direktor abgeholt werden. Ein Gespräch mit den Eltern wird vereinbart.

Die Schüler
Wer kennt nicht die vergebliche Suche nach dem besten Versteck? Also schnell die Tasche auf den Schoß gelegt, Reisverschluss auf und Hände samt Handy in das Tascheninnere. Natürlich alles unter dem Tisch. So verbringt mehr oder weniger die halbe Klasse den Unterricht am Handy. Bringen tut das nichts, weder dem Lehrer noch den Schülerinnen. Also warum nicht einfach weg mit dem Handy? Kann WhatsApp nicht warten? Bei manchen nur bis zur Pause. Kaum ist der Lehrer aus dem Zimmer, sind die Handys in der Hand.

Die Lehrer
Es gibt Lehrer, die das nicht so streng sehen und selbst mal ihr Handy während des Unterrichts rausholen, um zu googeln. Oder erklären, dass der kleine Sohn krank ist, wenn es laut im Klassenzimmer klingelt. Jede Schülerin hofft dann innig, dass es nicht das eigene ist. Es gibt aber auch solche Lehrer, die in den Pausen nichts Besseres zu tun haben, als auf den Gängen zu warten und in die Klassenzimmer zu schauen, um eine Schülerin am Handy zu erwischen.

Meine Meinung
Prinzipiell verstehe ich, warum die Schulleitung für ein Handyverbot ist. Um ehrlich zu sein: Ich find’s gut, dass Handys in der Schule in der Tasche oder dem Rucksack bleiben sollen. Man ist einfach konzentrierter, kann sich in den Pausen mit Freunden richtig unterhalten.

Mein Wunsch
In den Pausen könnte man zumindest der Oberstufe das Handy erlauben. Denn was nutzt es einem, wenn man selbst nicht am Handy ist, Freunde aber schon? Bekanntlich machen Verbote den Reiz einer Sache erst richtig aus. Sind wir mal ehrlich: Nicht nur wir Schülerinnen haben ab und zu unser Handy in der Hand.

 

Miriam Kohm, Deutsch-Französisches Gymnasium

Die Regeln
Handys sind im Foyer, auf dem Pausen­hof und in der Cafeteria erlaubt. Der Lehrer darf Handys für Unterrichtszwecke erlauben. Außerhalb des Unterrichts dürfen Oberstufenschüler ihre Handys in den Klassenräumen benutzen. Ansonsten sind alle elektronischen Geräte streng verboten.

Die Strafen
Wird jemand erwischt, wird das Handy weggenommen. Man kann es sich nach dem Unterricht im Sekretariat abholen und bekommt eine Strafarbeit. Zum Beispiel muss die Schulcharta vom Französischen ins Deutsche übersetzt werden. Oder andersrum.

Die Schüler
Ursprünglich waren Handys komplett verboten. Vor zwei oder drei Jahren starteten die Schüler einen Flashmob im Foyer. Die Schüler telefonierten oder machten etwas anderes am Handy. Daraufhin wurde das Verbot etwas gelockert. Die SMV hat mit der Schulleitung weiterdiskutiert. So entstand eine neue Regelung, die seit dem abgelaufenen Schuljahr gilt. Die meisten halten sich ans Verbot, seit wir Wanduhren in den Klassenzimmern haben. Ansonsten werden die Handys meist hinter Schulbüchern, Mäppchen, unterm Tisch oder in den Heften versteckt. Auf den Gängen benutzen fast alle Schüler ihre Handys. Jeder passt auf, nicht erwischt zu werden.

Die Lehrer
Wenn ein Handy im Unterricht stört, wird es fast immer weggenommen. Der Schüler bekommt es dann meistens direkt nach der Stunde zurück. Auf den Gängen wird man von den Lehrern oft nur darauf hingewiesen, dass Handys verboten sind. Wenn man es dann wegsteckt, ist das kein Problem. Wird man vom Schulleiter oder strengeren Lehrern mit dem Handy in der Hand erwischt, ist es sofort weg. Einige wenige Lehrer fangen auch an, die Handys in den Unterricht mit einzubringen. Bei ihnen dürfen wir Notizen auf dem Handy festhalten oder Texte, die wir zu Hause abtippen müssten, schon im Unterricht am Handy schreiben.

Meine Meinung
Ich finde die Regelung gut. Wären Handys überall erlaubt, würde sich wohl niemand mehr auf den Unterricht konzentrieren. Dass man sie an gewissen Orten nutzen darf, ist gut. Die Strafarbeit ist übertrieben. Genauso wie die Verbotsschilder, die überall auf dem Schulgebäude hängen.

Mein Wunsch
Es wäre schön, wenn Handys mehr in den Unterricht integriert werden. Man sollte uns den richtigen Umgang mit Handys beibringen, anstatt sie zu verbieten. Außerdem würde ich das Verbot in den Fluren aufheben. Es stört dort niemanden, wenn jemand kurz auf sein Handy schaut.

 

Was erlaubt ist


Kein generelles Verbot
Schülern kann nicht ver­boten werden, ein Handy mitzuführen, da die Eltern ein berechtigtes Interesse daran haben können, ihre Kinder vor oder nach der Schule zu erreichen.

Einschränkungen sind erlaubt
Die Schule kann verlangen, dass das Handy während des Unterrichts ausgeschaltet bleibt; sie kann ferner die Handynutzung während der Pausen auf dem Schulhof zumindest einschränken.

Wegnahme ist rechtens
Ein Handy kann Schülern bei schulordnungswidrigem Gebrauch weggenommen werden, es muss aber nach dem Unterricht zurückgegeben werden.*

 

*Quelle: Informationsdienst Schulleitung

 

Expertenmeinung

Jan Pfeifer (18), aus Waldshut,Sprecher des Landesschüler­beirats Baden-Württemberg
In vielen Schulen sind Handys komplett verboten. Schüler fordern immer mal wieder eine Lockerung. Es zeichnet sich eine rasante Änderung ab: Lehrer beziehen Handys verstärkt in den Unterricht mit ein. Handys landesweit in den Pausen für alle Klassen zuzulassen, lehne ich ab. Manche Schulen haben das versucht, es ging kläglich schief. Deshalb sind schulinterne Regelungen besser. Jede SMV hat die Möglichkeit, sich für eine adäquate ­Regelung einzusetzen. Das ist oftmals nicht bekannt.

 

 

Matthias Schneider (52), aus Stuttgart, Geschäftsführer der Gewerkschaft ­Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Das Thema beschäftigt uns seit vielen Jahren. Die Handynutzung ändert sich, natürlich auch die Frequenz. Verbote kommen nicht aus heiterem Himmel. Handys in der Schule führen zu Konflikten, die Konzentration leidet oft stark. Es muss nicht mehr geregelt werden. Lehrer und Schulen sollen vor Ort entscheiden, das sind die Profis. Jede Schule sollte versuchen, eine allgemein akzeptierte Regelung zu finden.

 

 

Leon Naas (18), aus Freiburg, Sprecher des ­Schülerrats Freiburg
Wir stehen Verboten gespalten gegenüber. Selbst wenn Handys nur auf dem Tisch liegen oder in der Hosentasche sind, kann man schlechter dem Unterricht folgen. Eine Verbannung aus der Schule ist aber nicht zeitgemäß. Schulen sollen uns ja auf ein Leben danach vorbereiten. Dazu gehört auch der richtige Umgang mit modernen Medien. Der Schülerrat begrüßt deswegen Mittelwege: zum Beispiel, dass das Handy ab einem gewissen Alter in Pausen erlaubt ist oder auch mal im Unterricht damit recherchiert wird.

 

 

 

 

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