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Schule & Projekte

The Simple Club und Daniel Jung - YouTuber geben Hunderttausenden Nachhilfe

Im Unterricht nix kapiert? Keine Panik. Auf YouTube gibt’s kostenlose Nachhilfe. Die Erklärvideos von The Simple Club (Bild oben) oder Daniel Jung erreichen Hunderttausende. Für viele Schüler sind sie fester Teil der Klausurvorbereitung. Auch Freiburger Lehrer finden Lernvideos gut – aber nur als Ergänzung zum Unterricht.

 
 

Kumpelhafte Erklärungen, verständliche Grafiken, überschaubare Längen. Lernvideos sind perfekt für jeden Büchermuffel. In weniger als zehn Minuten vermitteln sie komplexe Sachverhalte: Ableitungen, Nullstellen oder Atome. Die Berliner YouTuber The Simple Club investieren im Schnitt 15 bis 20 Stunden in die Produktion eines Videos, berichten sie dem f79. Der Aufwand lohnt sich: Ihr erfolgreichstes Video hat eine Million Klicks, es geht darin um Nullstellen.

Auf die Idee kamen sie in der 11. Klasse: „Was man früher in YouTube zum Beispiel über Ableitungen gefunden hat, war kompletter Müll“, sagen Alexander Giesecke und Nicolai Schork alias The Simple Club. Was 2011 als einfacher Nachhilfekanal auf YouTube begann, ist heute ein florierendes, deutschlandweit führendes Start-up-Unternehmen. Die Fakten: 500.000 begeisterte Zuschauer auf acht Kanälen.

„Wir sind ein cooles Team aus 20 Leuten, sonst würden wir das nie schaffen“, erzählen sie. Ihr Ziel stand schon zu Beginn fest: „Wir machen mal die coolsten Mathe-Videos Deutschlands!“ Inzwischen besitzen die beiden eine eigene Lernplattform und eine App, auf denen es auch kostenpflichtige „Spickzettel“ mit Übungsaufgaben gibt.

Auch Freiburger Lehrer kennen The Simple Club: „Für Mathe ist Onlinelernen mit Sicherheit sehr hilfreich“, sagt Wiebke Ullrich von der Freien Christlichen Schule (FCS) in Freiburg. Man könne die Videos als vorbereitende Aufgabe gut in den Unterricht integrieren, findet die 30-jährige Mathelehrerin. „Die Schüler können zurückspulen, falls sie etwas nicht verstanden haben, und das Problem aufarbeiten.“ Schon mehrfach hat sie Online-Videos in ihren Unterricht integriert.

Vergangenes Schuljahr gestaltete Ullrich so eine komplette Unterrichtseinheit der 13. Klasse. Die Schüler meldeten sich zudem vor dem Abitur auf einer kostenpflichtigen Plattform an, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. „Das war ein großer Vorteil, sie konnten Fragen direkt an Mitarbeiter stellen. Das Feedback war durchgehend positiv“, schwärmt Ullrich.

Das Problem beim digitalen Lernen ist die Masse an Angeboten. Nutze man jedoch die richtigen, kann das den Unterricht ergänzen, findet auch Hermann Maier, Leiter des Schulamtes Freiburg: „Ich bin davon überzeugt, dass das Lernen zu Hause erleichtert wird, wenn die Lehrer ihre Schüler dabei begleiten“, sagt er. Auch in Freiburg werden digitale Lernkonzepte im Schulalltag eingesetzt. Das Angebot reiche von Lernprogrammen über digitale Medien wie Lernvideos bis hin zu Tablets.

Gerade in der Oberstufe sind Lernvideos der Renner. Abiturienten zu finden, die solche Angebote nicht nutzen, ist schwierig, zeigt eine f79-Blitzumfrage an der Freien Christlichen Schule. Begeistert ist auch Lia Schulz: „Ich finde das sehr hilfreich, auch bei -Themen, die man im Unterricht nicht behandelt“, sagt die 17-jährige Schülerin der FCS. Super sei zudem das Zurückspulen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Im Unterricht gehe das nicht. „Im Panikmodus vor Klausuren sind die -Videos eine geile -Sache“, ergänzt ihr Mitschüler Marc Suter.

 

YouTube-Lehrer: Daniel Jung erklärt sachlicher als die Kollegen von "The Simple Club".

 

Am anschaulichsten findet er „The Simple Club“. Aber auch der YouTuber Daniel Jung gibt ihm Nachhilfe: Der Remscheider hat sich mit seinen 2000 Mathe-Videos fest als YouTube-Nachhilfelehrer etabliert. Sein Motto: Keep it simple. Der studierte Mathematiker erklärt den komplexen Mathestoff in fünf Minuten vor einer weißen Tafel, ohne Schnickschnack. Von Lehrern bekommt er immer wieder positive Rückmeldungen, manche setzen seine Videos sogar im Unterricht ein, berichtet er.

Jung findet: Onlinelernen kann den normalen Unterricht sogar ersetzen. „Wir leben im zweiten Maschinenzeitalter, wo ständig neue Jobs kreiert werden, mit völlig anderen Anforderungen“, sagt der YouTuber, der auch Seminare für Lehrer anbietet. Würden sie nicht mehr gebraucht, hätte also auch er ein Problem.

Wozu also noch klassischen Unterricht? „Schule ist lernen in einer Beziehung“, sagt Thomas Mengel, Chemielehrer der FCS. Früher hätte der Mittfünfziger selbst gerne solch „faszinierenden Angebote“ wahr-genommen. Er sieht aber auch Grenzen: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“, zitiert er Goethe. Ein Tutorial könne nützlich sein. Doch man solle sich zuerst klarmachen: Wo sind meine Schwächen? Was ist Bildung für mich?

„Bildung ist das, was ich mir gemerkt habe, nachdem ich das Gelernte vergessen habe,“ sagt Mengel. Seine Kollegin Wiebke Ullrich fügt hinzu: „Menschliche Beziehungen können nicht online beigebracht werden.“ Es gehe um -Strategien und Problemlösungen. Der Computer unterstütze Lernprozesse, könne allerdings das klassische Lernen nicht ersetzen. Für Mengel wäre es ein No-Go, selbst Lernplattformen zu gründen oder zu entwickeln: Ihm würde es das Reizvollste am Unterricht nehmen: den direkten Kontakt zu Menschen.


Unsere Top 3 der Online-Lernhelfer


TheSimpleClub.de

Mit acht YouTube-Kanälen und Hunderttausenden Klicks begeistern die beiden YouTuber Schüler jeder Klassenstufe. Das Start-up-Unternehmen besitzt zudem eine kostenpflichtige Lernplattform mit „Spickzetteln“ und Übungsaufgaben. Preis: 9.99 Euro pro Monat, Videos kostenlos abrufbar


daniel-jung.eu

Mit mehr als 2000 Videos auf YouTube hat sich der Mathematiker fest als Online-Nachhilfelehrer etabliert. Die Videos sind kostenlos auf seinem YouTube-Kanal abrufbar. Wie er unserer Redaktion verraten hat, werden in Kürze neue Angebote folgen.


Sofatutor.com

Mit rund 14.000 Videos und 21 Fächern für Schule und Studium ist sofatutor.com eine der führenden Online-Lernplattformen Deutschlands. Bei kniffligen Fragen steht hier zudem ein 24-Stunden-Live-Chat zur Verfügung. Preis: 19.95 Euro pro Monat, Basisversion ab 14.95 Euro

 

 

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