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Schule & Projekte

Der Smartphone-Lehrer: Patrick Bronner unterrichtet per Handy

Die Flugbahn eines Schokokusses mit dem Handy messen: Für die Schüler des Freiburger Friedrich-Gymnasiums ist das normal. Ihr Lehrer Patrick Bronner (38) lässt sie regelmäßig mit dem Smartphone arbeiten. Dafür hat er mit seinem Team gerade den Deutschen Lehrerpreis gewonnen. In der Kategorie „Unterricht: innovativ“ war keiner besser. f79-Autorin Lisa Hörig spricht im Interview mit Patrick Bronner über Verbote und fragt, wann er das Abi am Smartphone schreiben lässt.

 
 

f79 // Herr Bonner, wie kam’s zum Handy-Unterricht?
Bronner // Bis vor eineinhalb Jahren gab es ein Smartphoneverbot an der Schule. Wenn ich ein Handy im Unterricht bemerkt habe, musste ich es einsammeln und bei der Direktion abgeben. Da habe ich mich gefragt, warum man Smartphones nicht im Physik- oder Mathematik-Unterricht einsetzen kann.

f79 // Dafür haben Sie sogar die Schulordnung geändert. Wie sieht der Smartphone-Unterricht konkret aus?
Bronner // Wenn ich zum Beispiel Schallwellen anschauen möchte, habe ich das früher in einem Lehrerexperiment am Oszilloskop gemacht. Heute sage ich: „Ladet die App und schaut euch die Schallwellen auf eurem Smartphone an.“ Nach den individuellen Experimenten verschwindet das Smartphone wieder in der Schultasche.

f79 // Wie kommt das denn an?
Bronner // Ich merke, dass die Motivation zunimmt, wenn die Schüler ihr eigenes Smartphone nutzen.

 

Innovativ: Patrick Bronner hat den Unterricht umgekrempelt.

 

f79 // Können das alle Lehrer einsetzen? Oder bringen die Schüler den Lehrern eher etwas bei?
Bronner // Viele Lehrer, auch ich, sind unsicher. Wir haben Doktor Patrik Vogt von der Pädagogischen Hochschule hinzugezogen. Er hat uns gezeigt, was mit Smartphones möglich ist. Das fördert das Lehrer-Schüler-Verhältnis, da wir zusammen lernen.

f79 // Was sind die Vorteile am Smartphone-Unterricht?
Bronner // Jeder Schüler kann seine Aufgabe an seinem Smartphone auf seinem Niveau bearbeiten. Ich muss den Computerraum nicht erst reservieren, sondern kann Medien spontan einsetzen. Die Handys sind immer angeschaltet, immer aufgeladen und funktionstüchtig.

f79 // Einer Ihrer Kollegen hat das Smartphone in Gemeinschaftskunde eingesetzt.
Bronner // Ja. Man kann zum Beispiel den Wahlomat benutzen oder Parteiprogramme vergleichen.

 

Erfolgreich: Sein Team gewann den Deutschen Lehrerpreis in der Kategorie "Unterricht: innovativ"

 

f79 // Haben Sie eine Lieblings-App?
Bronner // Ja, die kostenlose App „Schallanalysator“. Kann ich jedem Schüler empfehlen, um die Akustik zu entdecken!

f79 // Was können Smartphones nicht messen?
Bronner // Temperatur, Spannung und pH-Wert. Aber dafür haben wir externe Bluetooth-Sensoren gekauft. So wird das Smartphone zum „Allround“-Messgerät

f79 // Wären Sie froh gewesen, wenn Sie in Ihrer Schulzeit ein Smartphone gehabt hätten?
Bronner // Ich wurde von der „Kreidephysik“ durch meinen Physiklehrer begeistert. Heutzutage wäre es nicht mehr zeitgemäß, nur frontale Methoden einzusetzen.

 

Digital: Seine Schüler lernen am Smartphone.

 

f79 // Machen die Schüler dank Smartphone mehr Hausaufgaben?
Bronner // In Mathe war es bei der Methode „Flipped-Classroom“ eher schwierig, in Physik dagegen sehr erfolgreich.

f79 // Was kommt als Nächstes? Das Abi am Smartphone?
Bronner // Auf gar keinen Fall! Wir wollen das nicht ins Extreme treiben. Unsere Schüler lernen immer noch, auf Papier zu schreiben. Das muss erhalten bleiben. Smartphones sind ein Bauteil von gutem Unterricht, es gibt viele weitere Methoden.

f79 // Gibt es noch etwas, was Sie den Lesern mitteilen wollen?
Bronner // Den Schülern: Ermutigt eure Lehrer, Smartphones einzusetzen! Zeigt ihnen die Apps. An die Lehrer: Einfach ausprobieren!

 

 

 

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