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Wie ein Praktikum nach hinten losgehen kann
Da ich am ersten Tag meines Praktikums Spätschicht habe, welche erst um 12.30 Uhr anfängt, mache ich mich erst am späten Vormittag auf den Weg zu dem Krankenhaus bei dem ich mich beworben habe und bin schon sehr gespannt auf meinen Einsatz in der chirurgischen Ambulanz. Natürlich bin ich auch aufgeregt, vor allem weil man mir, auf meine Nachfrage hin, sagte, dass ich auch in die Operationen mitkommen und bei diesen zuschauen darf. Ich hoffe, dass mir die Woche im Krankenhaus Spaß machen wird und ich viel Freude bei meinem Praktikum haben werde. Außerdem wünsche ich mir, dass ich einen guten Einblick in die chirurgische Ambulanz bekomme und mir auch die ein oder anderen interessanten Dinge erklärt werden.
Zusammen mit acht anderen Praktikanten warte ich vor dem Büro von der Krankenschwester, die mir für das Praktikum zugesagt hat. Als die Schwester kommt, holt sie uns in ihr Büro und teilt uns mit, dass uns verschiedene andere Schwestern in Kürze abholen und uns auf unsere Stationen bringen werden. Eigentlich war ich ja in der chirurgischen Ambulanz eingeplant, daher bin ich sehr enttäuscht, als ich erfahre, dass ich jetzt „nur“ ein Pflegepraktikum auf der Station machen soll. Trotzdem will ich das Beste daraus machen und hoffe, dass die Woche gut wird. Außer mir sind noch zwei andere Praktikantinnen auf der Station und beide machen einen sehr netten Eindruck – vielleicht wird es also trotzdem gut? Im Gespräch mit den beiden erfahre ich, dass es Lisa, eine von den zwei Mädchen, genau so wie mir ergangen ist: Auch ihr wurde eigentlich versprochen, ihr Praktikum in einem anderen Bereich zu machen, auch sie ist in der Pflege gelandet.
Nachdem wir uns unsere Arbeitskleidung angezogen haben, erhoffen wir uns eine Einführung, in den Beruf der Krankenschwester und denken, dass man uns alles was wir machen müssen ganz genau erklärt – schließlich ist das ja ein sehr verantwortungsvoller Beruf. Doch nichts dergleichen geschieht. Die Stationsleiterin stellt sich uns nur knapp vor, wer außer ihr noch auf der Station arbeitet und was deren Aufgabe ist, sagt sie uns gar nicht. Da uns niemand sagt, was wir zu tun haben und man uns auf unsere Fragen keine richtigen Antworten gibt, kommen wir uns erstmal ziemlich überflüssig vor.
Nachdem wir den ganzen Tag mit Zuschauen verbringen, dürfen wir beim Abendessenverteilen endlich mit anpacken. Die Schwester erwartet jedoch, dass wir den Ablauf kennen und ganz genau wissen, was wir bei welchem Patienten zu beachten haben – woher sollten wir? Als wir sie darauf ansprechen, dass das nicht der Fall ist, ist diese nicht sehr begeistert, sondern wirkt genervt. Sie macht jedoch auch keinerlei Anstalten es uns zu erklären. Wir fühlen uns unerwünscht und der Rest der Zeit verstreicht verhältnismäßig langsam. Als wir unsere Schicht endlich beendet haben und wir nach Hause gehen dürfen, verabschieden wir uns und ziehen uns wieder um. Auf unserem Weg zur Straßenbahn sind wir müde, geschafft und noch dazu ziemlich deprimiert.
Neuer Tag neues Glück. Am nächsten Morgen stell ich mich auf einen harten Tag ein: Wir müssen zur Frühschicht antreten, die soll anstrengender sein. Wenn anstrengend bedeutet, dass es nicht so langweilig wird, wie am Tag zuvor, soll mir das Recht sein. Es gibt tatsächlich einiges zu tun: Nachdem wir den Patienten ihr Frühstück gebracht und es ihnen einigermaßen schmackhaft gemacht haben, rennen wir den ganzen Morgen zwischen den Zimmern hin und her, schauen ob alles in Ordnung ist, bringen den Patienten Dinge, die sie benötigen und überprüfen ihre Temperatur, Blutdruck, Puls. So ähnlich hatte ich mir das Praktikum vorgestellt. Allerdings dachte ich, dass wir als Praktikanten viele Dinge erklärt bekommen und dass wir leichtere Sachen, bei denen wir nicht viel falsch machen können, auch mal selbst ausprobieren dürfen. Außerdem habe ich erwartet, dass es den Schwestern lieber ist, dass die Praktikanten nachfragen, wenn sie etwas nicht wissen, wie wenn wir es einfach so machen wie wir gerade denken und dann im Nachhinein mehr falsch ist.
Als wir dann das Mittagessen verteilen, merke ich, dass nicht nur unter den Kollegen ein miserabler Umgangston herrscht, sondern auch die Patienten darunter leiden. So wird etwa eine alte Frau von der Schwester angeschimpft, weil sie ihr Mittagessen verweigert. Ich bin richtig geschockt, zumal das Krankenhaus sogar ein christliches ist. Als ich Feierabend habe, bin ich einerseits froh, dass ich den Tag endlich überstanden habe und nach Hause gehen kann, andererseits vergeht mir schon jetzt die Lust, wenn ich an den nächsten Tag denke!
Auf dem Weg nach Hause lasse ich die letzten beiden Tage Revue passieren. Dabei wird mir klar, dass ich mein Praktikum so nicht weiter machen möchte und ich mir, wenn es irgendwie möglich ist, wo anders einen Platz suchen möchte. In den drei verbleibenden Tagen ist dann in der Redaktion vom f79, wo ich freundlicherweise aufgenommen wurde, dieser Text entstanden.
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