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Kein Kältebus für Freiburg - Verwaltung lehnt Projekt für frierende Obdachlose ab

In Berlin, Hamburg, Frankfurt, Mannheim oder Bingen zählt er bereits seit vielen Jahren zum Stadtbild, in Freiburg wird er abgelehnt. Der Kältebus wurde entwickelt, um Obdachlose in den frostigen Monaten von Oktober bis März mit Hilfsmitteln gegen die frostigen Temperaturen zu versorgen. Anfallende Benzinkosten, engagierte Mitarbeiter, warme Decken und heißer Tee werden dabei überwiegend durch Spenden finanziert. Ende September wurde im Sozialausschuss über die eventuelle Einführung des Hilfsgefährts für Freiburg diskutiert. Ergebnis: Der Kältebus wird hier nicht gebraucht, das lokale Hilfssystem ist ausreichend, bedarf allerdings einer Überarbeitung. f79-Reporterin Christina Strohm hat die Hintergründe aufgearbeitet.

 
 

Auslöser für die Auseinandersetzung mit dem Thema war der Tod eines Obdachlosen im vergangenen Winter in der Freiburger Innenstadt. „Dabei muss aber beachtet werden, dass der Wohnungslose nicht an Kälteeinwirkung gestorben ist, sondern unter dem Einfluss von Alkohol und Tabletten“, betont Werner Hein, Leiter des Amts für Wohnraumversorgung, der wie alle Entscheidungsträger das Projekt für Freiburg ablehnt. In der Zeit nach dem Todesfall wurde das Freiburger Hilfssystem für Obdachlose genauer unter die Lupe genommen, so brachte Hein den Kältebus ins Gespräch. „Wir sind im Sozialausschuss aber zu dem Entschluss gekommen, dass das Hilfssystem in Freiburg so differenziert und ausgeprägt ist, dass kein Handlungsbedarf besteht“, erklärt Hein, „ein Kältebus wäre die einzige Lücke, die es hier im Vergleich zu anderen Städten gibt.“


Ein schwerwiegendes Argument gegen die Umsetzung der Hilfsidee in Freiburg sind nach Ansicht des Amtsleiters die Schlafplätze der Wohnungslosen, die hauptsächlich geheim gehalten würden: „Die Obdachlosen suchen sich Stellen, an denen sie nicht gestört werden. Das Dreisamufer oder den Schlossberg kann man mit einem Bus eben nicht anfahren.“ Finanzielle Hintergründe für die Ablehnung des Projekts weist Hein zurück: „Über Geldinstitute und Öffentlichkeitsarbeit wäre die Finanzierung eines Kältebusses sicherlich zustande gekommen.“


Einen hintergründigen Blick für die Entscheidung gegen einen Kältebus besitzt auch Dieter Purschke von der Ombudstelle für wohnungslose Menschen, einer Organisation, die sich als Vertreter für die Interessen der Obdachlosen versteht. „Zuerst sollte man sich auf die Optimierung der schon bestehenden Hilfsprojekte konzentrieren, bevor man ein neues entwickelt“, findet Purschke, „mit der Einführung eines Kältebusses wären viele andere Fragen zugedeckt worden.“ Er verweist auf die städtische Notübernachtung, die unter Obdachlosen allgemein als Ort illegaler Machenschaften und Unterkunft von Drogenabhängigen bekannt sei. Viele Wohnungslose würden daher dieses Hilfsangebot meiden. Eine Notunterkunft solle aber vielmehr ein Gefühl der Gastlichkeit und Akzeptanz vermitteln. Purschke sieht seine Aufgabe als Interessenvertreter der Obdachlosen darin, das Projekt Kältebus zunächst abzulehnen, um das Augenmerk auf andere Baustellen im Hilfssystem, wie das Problem der Notübernachtung, zu richten.


Geplant seien jetzt erst einmal Merkblätter mit den wichtigsten Informationen für den Umgang mit Obdachlosen, die an die Bürger verteilt werden, erklärt Werner Hein. „Vor allem müssen wir uns aber Gedanken machen, wo eine Optimierung notwendig ist, besonders jetzt, bevor der Winter kommt.“ Die Einführung eines Freiburger Kältebusses wurde somit von der Verwaltung vorläufig auf Eis gelegt.

 
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