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Buch-Tipp: Felsenmond - Fünf Mädchen im Jemen

„Felsenmond“ erzählt die Geschichten von fünf Mädchen im Jemen, die ihrer gesellschaftlichen Rolle als junge Frauen gerecht werden müssen. In dem von Religion und Tradition geprägten Land bedeutet das, sich den Bedürfnissen der Familie zu fügen. Doch im Geheimen streben die Fünf nach persönlicher Unabhängigkeit und kommen so in einen inneren Kampf mit sich selbst. f79-Autorin Svenja Woitt hat den Roman gelesen und findet, er gibt einen glaubhaften, emotionalen Einblick in die Lebenswelt junger Jemenitinnen.

 
 

Felsige Berglandschaften, lebendiges Dorf und pulsierende Stadt: Das ist der Jemen. Die 16-jährige Latifa lebt mit ihrer Familie auf dem Land. Eines Morgens wacht sie wie gewöhnlich im Elternhaus auf, ohne zu ahnen, dass heute der Tag ist, an dem ihre Hochzeit besiegelt werden würde – mit einem Mann, den sie nicht kennt, für Geld, das ihre Familie zum Leben braucht.

Vor allem in ländlichen Gegenden werden im Jemen Mädchen wie Latifa zur Ergebenheit erzogen - vor „nasibi“, dem Schicksal, das Allah für sie vorsieht. Das bedeutet, sich herrschenden Hierarchien zu fügen, mit dem Ältesten der Familie ganz oben und jungen Frauen ganz unten. Das Gesicht verdecken zu müssen, besonders vor fremden Männern. Und eben auch für Geld zu heiraten, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu machen.

In all diesen Verpflichtungen fühlen sich die jungen Frauen gefangen und sehnen sich danach, ihrer eigenen Individualität Ausdruck geben zu können. Die eine möchte der faszinierenden freiheitlichen Kultur des Westens als Englischlehrerin näher kommen. Die andere sucht ihre Unabhängigkeit durch die Hochzeit mit einem reichen Saudi.

Die Geschichte der Mädchen spiegelt auch den Kontrast zwischen stillstehendem Dorfleben und bewegter Stadtkultur wider. Im Jemen scheint sich ein revolutionärer Aufbruch anzubahnen. Im nahen Ägypten ist der arabische Frühling bereits im Gange.  Während der Alltag im Jemen weitergeht, zeigt sicht "das Dilemma der jungen Jemeniten schlechthin", sagt Jamal, ein junger Fotograf im Roman: "die Liebe für das Bewehrte und Sehnsucht nach dem Neuen."

Jasmin Adam hat selbst ein Jahrzehnt lang mit ihrer Familie im Nahen Osten auf der Arabischen Halbinsel gelebt. Nun wohnt sie wieder in Deutschland in Wyhl. Ihr sehr persönlicher Bezug zur arabischen Welt zeigt sich im Roman deutlich. Sie beweist ein Gefühl für die Details, die die Geschichte der jungen Frauen lebendig werden lassen. Ohne Wissen über das so fern und fremd scheinende Land vorauszusetzen, gibt die Autorin ihren Lesern einen glaubhaften Einblick in die Lebenswelt der Jemenitinnen.

Der Roman liest sich unbeschwerlich, denn Adam bringt die Geschichte schnell voran ohne auf wohl platzierte fantasievolle Bilder zu verzichten. Der Roman spricht durch die Innensicht der weiblichen Protagonisten besonders Mädchen und junge Frauen an. Obwohl die Umstände der Jemenitinnen befremdlich und beklemmend wirken, erlaubt das Buch seinen Leserinnen, sich in der beschriebenen Gefühlswelt wiederzufinden – und ihre eigene Situation neu zu betrachten. Aber auch für junge Männer kann "Felsenmond" fesselnd sein, denn immerhin bringt erst die dominante Rolle ihres Geschlechtes im Jemen die Mädchen in ihre schwierige Lage.

 

Das Buch

Von Jasmin Adam
Felsenmond
Verlag: cbj, 2015
314 Seiten, Taschenbuch
Preis: 8,99 Euro

 

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