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Buch-Tipp // Die Orangen des Präsidenten
Irak, 1989. Mahdi hat gerade seine letzte Abiturklausur geschrieben und will mit einem Kumpel Ali zur Feier des Tages nach Ur fahren, als sie Polizisten aufgreifen und ins Gefängnis stecken. Mahdi steht in Verdacht, Kontakt zu einer verbotenen Oppositionspartei zu haben. Schnell stellt sich heraus, dass er unschuldig ist. Das heißt aber noch lange nicht, dass er das Gefängnis wieder verlassen darf. Am Leben erhalten ihn in der düsteren Gefängniszelle nur die Erinnerungen an seine Kindheit: Seine Mutter, die einen Gemüseladen hatte. Und Samir, der Mahdi in die Geheimnisse der Taubenzucht einweihte.
Orangen und Drachen
Was Khaled Hosseini mit „Drachenläufer“ für Afghanistan geschafft hat, macht Abbas Khider mit „Die Orangen des Präsidenten“ mit dem Irak. Anstatt der trockenen Nachrichten über Kriege und Selbstmordanschläge geben die beiden Schriftsteller uns einen Einblick in das Leben der Menschen. Khider widmet sich mit diesem Buch dem zweiten Golfkrieg und der Diktatur unter Saddam Hussein; Vor allem aber den verehrenden Wirkungen auf die Bevölkerung.
Es zeigt sich nicht nur, wie die Diktatur die Menschen unterdrückt – sondern auch, wie groß die Entfernung zwischen Regierung und Volk ist. So bekam Mahdis Mutter nach dem Kriegstod des Vaters ein Grundstück, ein bisschen Geld – und einen Renault als „Ersatz“.
Erzählungen für das Leben
Mahdi verbringt zwei Jahre in Gefängnis. Doch nicht etwa verbittert erzählt er aus dem dunklen, dreckigen Kellerloch Geschichten von Samir und seinen Tauben, sondern mit detailreichem Blick für die seltenen schönen Momente für seine Kindheit im Irak.
Noch intensiver ist das Gefühl beim Lesen, wenn man sich vor Augen hält, dass der Autor Abbas Khider selbst zwei Jahre in politischer Haft verbracht hat, bevor er nach Deutschland flüchtete.
Ernste Erzählung
Der Unterhaltung dient die Erzählung nicht. Wer nach Zerstreuung sucht, wird sie mit Abbas Khiders zweiten Roman „Die Orangen des Präsidenten“ nicht finden. So schön die Geschichte auch geschrieben ist – ihr Thema ist bitterer Ernst. Doch genau das ist der Kernpunkt des Buches. Es vermittelt uns die Grausamkeiten eines Landes. Aber nicht in einem wertungsfreien und gefühllosen Zeitungsbericht, sondern in einer Erzählung, die nah an dem Menschen ist.
Abbas Khidder
Die Orangen des Präsidenten
Edition Nautilus
160 Seiten
16€
ISBN: 978-3-89401-733-0
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