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Leute & Leben

Kinderarbeit - Ein weltweites Problem und was wir dagegen tun können

Sie schuften, schleppen, schaufeln – während wir entspannt zur Schule gehen. Millionen Kinder weltweit müssen hart arbeiten. „In Indien sind es geschätzt 60 Millionen“, sagt die Freiburger UNICEF-Mitarbeiterin Ina Hörmeyer. Was man dagegen tun kann, erzählt sie den f79-Autoren Anastasia Klose, Luca Schütz und Yoko Kamijo.

 
 

Arbeiten bis zum Umfallen. Kein Recht auf Freizeit. Kaum Lohn. So sieht der Alltag vieler bettelarmer Kinder in Indien aus. Während sich der deutsche Nachwuchs unmotiviert zur Schule schleppt, werden junge Menschen in armen Ländern unmenschlichen Belastungen ausgesetzt. Laut UNICEF sind rund 98 Millionen Kinder in der Landwirtschaft tätig, 54 Millionen als Hilfskräfte im Dienstleistungsbereich und 12 Millionen im produzierenden Gewerbe. Insgesamt müssen 168 Millionen Kinder weltweit unter schlechten Bedingungen arbeiten, um ihren Familien zu helfen. Und das sind nur die bekannten Zahlen. Die Dunkelziffer ist noch viel höher.

Ab wann spricht man von Kinderarbeit? „UNICEF definiert Tätigkeiten als Arbeit, die Kinder in ihrer seelischen, körperlichen und gesundheitlichen Entwicklung schädigen“, sagt Ina Hörmeyer. Entscheidend sei dabei auch das Recht auf Bildung, das den Kindern durch Armut und Arbeit vorenthalten wird. Nicht jeder Job eines Minderjährigen ist gleich Kinderarbeit: Zeitungen austragen oder im Familienbetrieb mithelfen gehören nicht dazu. Schließlich wird dadurch keinem das Recht auf Bildung verweigert. In armen Ländern ist es jedoch oft ein Teufelskreis: Da schon die Eltern nicht zur Schule gingen, können sie sich keine Bildung für ihre Kinder leisten.

Müssen wir dem tatenlos zusehen? „Besonders wichtig ist, unser Konsumverhalten zu überdenken und anzupassen“, rät Hörmeyer. Kinder, die Produkte unter fairen Bedingungen herstellen, bekommen mehr Geld für ihre Arbeit. Somit können sie etwas ansparen und irgendwann vielleicht sogar aufhören zu arbeiten. Die Bildungschancen steigen.

Engagiert: Ina Hörmeyer von UNICEF setzt sich gegen Kinderarbeit ein.  

Wer das unterstützen möchte, sollte auf Siegel achten. Viele Produkte sind damit ausgestattet. Allerdings ist der Begriff „Fair gehandelt“ nicht geschützt. Das heißt, dass jeder sein Produkt so auszeichnen kann. Das wird ausgenutzt: Viele Großunternehmen verkaufen Teile ihrer Produkte als Bio und Fairtrade, obwohl die Bedingungen des fairen Handels kaum oder gar nicht eingehalten werden, berichtet die Expertin. Selbst das „FAIRTRADE“-Logo sei nicht zu 100 Prozent vertrauenswürdig, sagt Hörmeyer.

Wer garantiert fair konsumieren möchte, wird bei den Weltläden fündig. Deren Dachverband hat sich über die Jahre hinweg immer mehr von den Siegeln entfernt. Heute setzt er auf persönlichen Kontakt zu den Bauern, von denen er seine Produkte bezieht. Landwirte und Lieferanten werden regelmäßig von Mitarbeitern kontrolliert. Ihnen ist es wichtig, dass die Kinder, die bei den Bauern arbeiten, nicht ausgebeutet werden. Auch in Freiburg gibt es zwei Weltläden. Hier liegen Qualität und Fairness der Produkte weit über dem Standard der herkömmlichen Siegel.

Firmen sind möglicherweise abhängig von Kinderarbeit – der Kunde ist es nicht. Da liegt es nahe, solche Unternehmen so wenig wie möglich zu unterstützen. Doch so einfach ist das nicht, erklärt Hörmeyer. Verzichte man gänzlich auf Produkte aus Kinderarbeit, bekämen die jungen Arbeiter gar kein Geld mehr. Daher gilt: „Es ist wichtig, eine gute Kombination aus FairTrade und SecondHand zu finden“, sagt die UNICEF-Mitarbeiterin. Sie rät, Kleidung oder Geräte SecondHand zu kaufen. Die dort angebotenen Produkte sind nicht mehr im Wirtschaftskreislauf und unterstützen die Kinderarbeit kaum noch.

 

 

Nachhaltig und fair einkaufen in Freiburg

Be it! in der Nähe vom Martinstor (Gerberau 5)

Weltladen Gerberau in der Nähe vom Martinstor (Gerberau 12)

Weltladen Herdern, Urbanstraße 15

Fairjeans, Vaubanallee

Zündstoff Kleidung, Innenstadt (Moltkestraße 31)

 

 

 

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