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Leute & Leben

Aus der kulinarischen Hölle: Zwei Freiburger erobern Facebook mit skurrilsten Rezepten

Lukas Diestel (27) und Jonathan Löffelbein (26) gehen steil: Die zwei Freiburger Studenten sammeln geschmacklose Rezepte der Seite chefkoch.de und lassen sich dazu witzige Geschichten einfallen. Diese posten sie auf der Facebookseite „Worst of Chefkoch“. Kürzlich haben sie die 100.000-Abonnenten-Marke geknackt. Im Interview mit f79-Autorin Christina Miklusch erzählen sie von Überforderung, ­Heiratsanträgen und einem möglichen Ende.

 
 

Die Rezepte kommen aus der „kulinarischen Hölle“, sagen die beiden Hobby-Slammer. Beispiele gefällig? Blutwurstlasagne mit Apfel und Camembert. Hackfleisch-Pinguine. Stramme Reiswaffel-Max à la Didi. Was schlimm klingt, ist mit Fotos noch schlimmer. Kurz: The Worst of Chefkoch. Täglich präsentieren die zwei Studenten eine Geschmacklosigkeit von Europas größter Kochplattform. Und erwecken damit bundesweit Aufmerksamkeit.

Alles begann im Juli mit einem tumblr-Blog. Sie posteten die ersten Rezepte. Kurz darauf erschien ein Artikel darüber. Halb überrascht, halb überfordert erstellen sie eine Facebook-Seite. Schnell zogen andere Medien nach: der Focus, die FAZ, bento und Dasding berichteten. „Wir dachten, wenn es gut läuft, schaffen wir am Ende des Jahres die 10.000 Likes“, sagt Lukas. Ein Leichtes: Nach einem halben Jahr haben sie mehr als das Zehnfache. Rund 110.000 Personen haben „Worst of Chefkoch“ schon gelikt.

Hohe Schule des Blödsinns: Lukas Diestel (o.l.) und Jonathan Löffelbein finden Abgründiges in den Tiefen der Kochkunst.

 

Das Erfolgsrezept: Aus rund 400 Einsendungen im Monat suchen sich Lukas oder Jonathan täglich ein Rezept aus. „Heutzutage geht ja auch alles übers Smartphone“, sagt Jonathan. In der Straßenbahn checke er, ob was Neues rein­gekommen ist. Darüber schreibt einer den Text, der andere liest drüber, dann geht’s online.

Gute Texte sind der einzige Qualitätsanspruch, sagt Lukas. Den zweien fällt das meistens leicht. „Es ist okay, wenn man mal einen schlechten Tag hatte und der Post nicht so gut ist“, sagt Lukas. „Wegwerfwitze“, nennt Jonathan die kleinen Geschichten: „Das lieste einmal, lachst und dann ist auch gut.“ Versierte Köche sind die beiden nach eigenen Angaben nicht. Gekocht wird jedoch regelmäßig. Manchmal sogar mit Chefkochrezepten – den guten. Die schlimmen probieren sie lieber nicht aus.

Kennengelernt haben sie sich bei einer Sprechtheatergruppe. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft. Jonathan studiert Rhetorik in Tübingen, Lukas hat sein Studium in Kognitions­wissenschaften und Englische Sprachwissenschaften an der Uni Freiburg kürzlich abgeschlossen.

Er bezeichnet sich als einen der letzten Langzeitstudenten. Weil er immer kreative Sachen nebenbei gemacht hat und es ihm wichtig ist, sich die Zeit für Blödsinn zu nehmen. „Wir wissen, dass das, was wir da tun, keine Hochkultur ist“, sagt er. Dennoch hat er kürzlich am Open Mic-Wettbewerb teilgenommen – einem der wichtigsten deutschen Nachwuchspreise für Literatur.

Mit ihrem Humor treffen die beiden den Nerv vieler Mittzwanziger und Studenten. Ihr Verhältnis zu den Fans? „Relativ inexistent“, sagen sie und lachen. Trotzdem gibt es hin und wieder Lob und natürlich jede Menge Likes. Sogar ein Heiratsantrag wurde ihnen über Facebook schon gemacht. „Viele Fans wissen gar nicht, dass die Seite von zwei Administratoren geführt wird“, erzählen sie.

Auch negatives Feedback gehört dazu. „Und mit so einer Scheiße machen die Leute jetzt Geld?!?“, schrieb ein Kritiker. Da müssen sie grinsen. Schließlich verdienen sie bisher nichts mit dem Hobby. Kritik treibt die beiden eher: „Haterkommentare sind mein Benzin“, sagt Jonathan.

Für beide ist es ein Hobby. Dennoch sind sie im Moment mit Agenturen im Gespräch. Vielleicht gibt’s bald ein Worst of Chefkoch-Rezeptbuch. Könnte ihre Seite auch morgen wieder vergessen sein? „Klar“, antworten sie prompt. Man müsse realistisch bleiben, irgendwann gingen auch die schlechten Rezepte aus. Bammel haben sie davor nicht: „Ist eigentlich ja auch ganz schön, dass wir uns irgendwann hinstellen können und sagen: ‚So, das war’s.‘“ Bis dahin wollen sie aber noch jede Menge Appetit-Verderber aus der kulinarischen Hölle auf ihre Seite stellen. Macht himmlischen Spaß.

 

 

 

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