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Leute & Leben

Als würde man nicht existieren: Wie die Freiburger Queer-Szene sich selbst diskriminiert

Seit Jahrzehnten kämpft die LGBT-Szene (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) um Anerkennung von außen. Doch auch innerhalb der Community gibt es Probleme: Mitglieder der Freiburger Szene berichten von Ausgrenzungen und Ignoranz.

 
 

„Man kann es einfach niemandem recht machen”, sagt Lin K. Die Studentin ist pansexuell, fühlt sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen. Von der Szene fühlt sich die 21-Jährige jedoch eher abgestoßen: „Ich wurde auf dem Christopher Street Day (CSD) dumm angemacht”, berichtet sie. „Eine Lesbe hat mir gesagt, ich würde nur Aufmerksamkeit wollen.”

Was Lin berichtet, ist kein Einzelfall: Auch Bi-, Asexuelle und weitere Untergruppen berichten von fehlender Unterstützung der Community.

Das mag überraschen: Schließlich hat die Szene in den vergangenen Jahrzehnten Erfolge erzielt – zuletzt die Ehe für alle in Deutschland. Seit 1979 gibt es den CSD in der BRD, seit 2014 auch in Freiburg. Mitglieder und Unterstützer der Community protestieren dabei für gleiche Rechte und gegen Rassismus. Hingewiesen wird auch auf Missstände: Dazu gehört auch der Umgang in der Szene mit Bi- und Pansexualität, den Lin schildert.

Diese Untergruppen verschwinden oft im Schatten der Homosexualität. Dabei besteht die LGBT-Community zu etwa 60 Prozent aus Bisexuellen, wie eine US-Studie zeigt.

„Es ist als würde man nicht existieren”, sagt Elisa I. (23). „Letzten Endes fragt man sich, ob man überhaupt dazugehört”, findet die Studentin. Um der Unsichtbarkeit in der Szene entgegenzuwirken, treten Prominente immer häufiger für ihre Sexualität ein: Megan Fox, Angelina Jolie oder Ezra Miller.

In einer Freiburger Bar, die bekannt ist für LGBT-freundliche Veranstaltungen, bestätigen sich die Probleme der Szene: „Bisexuelle können sich nicht entscheiden”, sagt eine Lesbe, die anonym bleiben möchte, und lacht. Auch ein Homosexueller, der seinen Namen nicht im chilli lesen möchte, hält nichts davon: „Bi-Männer gibt es nicht”, sagt er. „Die trau’n sich nur nicht zu sagen, sie seien schwul.”

Ein vorbeilaufender Student setzt noch einen drauf: „Sind nicht alle Frauen irgendwie bi?”, fragt er im Vorbeilaufen. Fast alle Bi- und Pansexuellen kennen solche Sprüche. Und Schlimmeres.

Freiburg ist bekannt als tolerante Stadt. Der CSD mit Hunderten Unterstützern unterstreicht das. Allerdings hat die Parade einen faden Beigeschmack: Selbst dort und in Szene-Bars werden Mitglieder ausgegrenzt und können sich nicht sicher fühlen.

Auch Freiburgs Dragqueen Betty BBQ kennt das Problem. Sie wünscht sich eine funktionierende Community: „Ein bisschen mehr Zusammenhalt und Akzeptanz für die Verschiedenheit untereinander.”

 

 

 

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