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Leute & Leben

Valentina in Freiburg (5): Süβsaurer Abschied

Die ecuadorianische Schülerin Valentina Poveda macht in Freiburg ein Praktikum. Das erste ihres Lebens – und dann gleich so fern von der Heimat. Die 16-Jährige ist seit Mitte Juni im Breisgau und wird einen Monat bleiben. Sie lernt Deutsch seit 13 Jahren in einer deutschen Schule in Quito. Fürs f79 schreibt sie ein Reisetagebuch. Folge 5: Sie verlasst die märchenhafte Stadt und kehrt in ihre bezaubernde Heimat zurück. Nicht nur ihre Schwester (links im Bild) hat sie dort in Empfang genommen.

 
 

Was? Ist heute nicht mein zweiter Tag in Deutschland? Nein, es ist mein letzter Tag in Freiburg, ich kann es kaum glauben.

Die Zeit ist super schnell vergangen. Waren wir nicht gestern am Titisee? Ich habe viele Bilder im Kopf: das prachtvolle Münster, den Schlossberg, wie von einem Künstler gemalt, das lustige Freiburger Krokodil, den mysteriösen Schwarzwald, die Bächle in der Stadt ...

Von jeder Straβe, jeder Ecke, jedem Zimmer, jedem Baum male ich ein Bild in meinem Gedächtnis. Dieses märchenhafte Freiburg möchte ich nie wieder vergessen. "Liebes Freiburg, ich werde alles Mögliche tun, um wiederzukommen."

Meine Autauschschwester und -mutter bringen mich zum Bahnhof. Ich bin so dankbar; sie kannten mich gar nicht und haben mich trotzdem aufgenommen. Der Abschied fällt mir schwer.

Mit drei Freundinnen fahre ich nach Frankfurt, wo wir übernachten. Am nächsten Morgen geht's um vier Uhr los – meine Augen fallen dauernd zu.

Kontrast zum Schwarzwald: Der Cotopaxi in Ecuador ist 5897 Meter hoch.


Wir steigen ins Flugzeug. Ich schlafe sofort ein. Lange pennen kann ich nicht, schon nach einer Stunde steigen wir in Amsterdam um. Im nächsten Flieger penne ich gleich weiter. Traumwellen gehen durch meinen Kopf. Und vor lauter Schlaf verpasse ich das Essen. Nicht irgendeins: Ich verpasse das Eis! Ich bin down, weil es mich ans himmlische Freiburger Eis erinnert: So viele Sorten habe ich noch nie gesehen.

Drei Filme, vier Sudokus und dreiβig Seiten eines Buches später, sind wir endlich in Quito. Früher war hier ein Schild mit einer Warnung: Willkommen in Quito. Höhe: 2850 Meter. Laufen Sie langsam. Wir befinden uns mitten in den Anden, überall sind Berge.

Ich kann nicht mehr warten, meine Familie wiederzusehen! Nach all den Kontrollen und der langen Warten auf meinen Koffer, gehe ich durch die Tür mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Als Erste rennt meine Nichte zu mir. Ich werfe mich auf den Boden, um sie zu umarmen. Dann kommt meine Schwester; sie umarmt mich so stark, dass ich kaum atmen kann. Ich explodiere vor Freude – da sind meine Eltern!

Mein Land habe ich vermisst. Das Essen, die Vögel vor der Haustür, die fröhliche Musik, die bezaubernden Landschaften, die magischen Pflanzen ...

Freiburg war eine andere Welt. Sie hat mich verändert, mir mein wahres Ich vorgestellt. Ich hoffe, ich komme wieder.Gerne würde ich in Deutschland studieren. Wer weiß, vielleicht in Freiburg?

Info: Valentina macht in Quito kommendes Jahr Abitur auf ihrer deutschen Schule. Die Schülerin aus Ecuador schreibt in ihrer Freizeit Romane, f79.de Kurzgeschichten und Gedichte. Sie hat drei Bücher geschrieben, eines davon wurde veröffentlicht. Das Kinderbuch "Soyfiero, un tiburón de otro mundo“ (Soyfiero, ein Hai aus einer anderen Welt) wurde 2011 veröffentlicht.

 

Mehr dazu

 

•f79.de: Valentina in Freiburg (2): Geburtstag fern von der Heimat
•f79.de: Valentina in Freiburg (3): Abenteuer im Europapark
•f79.de: Valentina in Freiburg (4): Wettlauf gegen die Zeit

 
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