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Leute & Leben

Valentina in Freiburg (3): Abenteuer im Europapark

Die ecuadorianische Schülerin Valentina Poveda macht in Freiburg ein Praktikum. Das erste ihres Lebens – und dann gleich so fern von der Heimat. Die 17-Jährige ist seit Mitte Juni im Breisgau und wird einen Monat bleiben. Sie lernt Deutsch seit 13 Jahren in einer deutschen Schule in Quito. Fürs f79 schreibt sie ein Reisetagebuch. Folge 3: Loopings im Europa-Park.

 
 

6 Uhr, Wecker klingelt: zum ersten Mal in meinem Leben ist das Frühaufstehen kein Problem. Denn heute geht es zum Europapark!

In Freizeitparks bin ich nur selten gewesen – zum letzten Mal vor sieben Jahren. Ich bin so gespannt! Und außerdem geht meine beste Freundin mit. Sie wohnt in Würzburg (Folge 2) und besucht mich jetzt in Freiburg. Was will man mehr?

Mit meiner Austauschschwester, ihrer und meiner besten Freundin nehmen wir den Zug. Gegen neun Uhr sind wir da. Ich kann nicht mehr vor Aufregung. Meine Touri-Seite kommt auf, ich fotografiere alles – ob wichtig oder unwichtig - ist mir egal.

Zuerst gehen wir in ein Horror-Haus. „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist...“, sage ich ganz leise. Das Leben ist erschreckend genug, warum sollte man sich freiwillig Angst machen lassen? Ich gehe trotzdem rein.

Die dunkle Atmosphäre wirkt mysteriös und spannend. Ich erschrecke ein bisschen, bin aber vor allem fasziniert: Die Figuren sind sehr realistisch, bewegen sich und können sprechen. Manche spucken sogar Wasser.

Danach besuchen wir den Silver Star – eine Achterbahn, die bis über den Parkplatz reicht. Die Wartezeit ist lang, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Die Musik erschafft Spannung, überall sind Videos zu sehen.

Wir sind dran. Wir werden gesichert, die Achterbahn fährt langsam nach oben, fast vertikal. Die Schienen sind nicht zu sehen, als ob wir durch die Luft fahren. Ich fange schon an zu schreien, vielleicht ein bisschen zu früh. Wir kommen zum Höhepunkt... und fallen.

Die Achterbahn bewegt sich blitzschnell nach unten, rechts, links, oben, wieder nach unten. Wir sind so schnell, dass ich meinen Schrei nicht mehr hören kann. Plötzlich sind wir wieder am Anfang. Meine Seele hat meinen Körper verlassen. Meine inneren Organe sind komplett durcheinander. Aber es hat richtig Spaß gemacht.

Eine weitere Achterbahn – mit einem Looping dazwischen. Man kann das Geschrei ständig hören. Meine Freundin und ich warten nervös in der Reihe. Mittendrin gibt es einen Laden, wo Essen und Getränke verkauft werden. Ich kann es nicht glauben. Wer kann bitte etwas vor eine Achterbahnfahrt essen?! Ich habe meinen Magen irgendwo bei der vorherigen Fahrt verloren – und trotzdem gibt es Leute, die ganz normal essen und trinken. Nicht zu fassen.

Gleich rast die Achterbahn mit voller Geschwindigkeit los. Mein Herz pumpt Adrenalin in meine Adern, ich lache. Oder vielleicht schreie ich. Ich kann es nicht mehr unterscheiden. Der Looping ist klasse. Zuletzt wird man schrecklich gedreht. Wie es war, kann ich nicht sagen; ich habe die Augen zu gemacht.

 

 

Blue Fire Megacoaster: Sieht gar nicht so schrecklich aus, ist es aber. 



Nächstes Vergnügen: Wir werden hochgehoben – langsam, zum Glück. Man kann den ganzen Park von hier oben sehen. Wir werden auch langsam nach unten gedreht. Die Spiele, die Achterbahnen sind bunt und winzig. So viel Spaß kann so klein aussehen. Und auch die Menschen, die Spaß haben.

Von oben gesehen: wunderschöne Sicht des Parks,links die Eurosat.

 

Das Märchenland verzaubert mich. Ich weiß, ich weiß, das ist für Kinder bestimmt. Jedoch sind da alle Märchen echt – eigentlich waren sie immer wirklich für mich. Aber jetzt kann ich sie anfassen und mitmachen und die Schauplätze besuchen und...

Was mich genauso fasziniert ist die Welt der griechischen Mythen. Wir gehen zur Fahrt der Kassandra. Es ist unglaublich! Bewegen sich jetzt die Sitze oder sind es die Wände? Bewegen sich jetzt die Wände oder ist es die Bahn? Alles dreht sich um sich selbst. Das ist verwirrend schön.

Griechischer Wartesaal: als wäre man Teil der Mythen

 

Die Mir-Achterbahn aus Russland erscheint von außen entspannend. Wenn wir drinnen sind, fahren wir im Kreis hoch und sehen Figuren von Astronauten. Alles ganz ruhig. Draußen gehen wir rund um das Gebäude, wo wir drinnen waren. Keine Überraschungen, keine Angst. So scheint es zu sein.

Plötzlich fährt die Bahn schnell runter und dreht sich mehrmals. Ich habe mich komplett geirrt: Wir fahren fast am Boden, in der Nähe von Bäumen und Metallstrukturen. Hilfe!

Ich brauche ein Getränk. Mein Hals ist trocken und kratzig, weil ich so viel geschrien habe. Wir gehen zum Restaurant FoodLoop. Man bestellt mit einem Touch-Screen und einer Karte, die wir im Restaurant bekommen haben. Zu viel Technologie für mich. Sind wir im Jahr 2060 oder so? Und dann kommt die Bestellung auf eine besondere Art: Mein Getränk fährt selbst in einer Achterbahn. Es kommt zuerst hoch aus der Küche, dann zu unserem Tisch, wo es durch den Looping kreist. Ich fühle mich wie ein kleines Kind, das von allem überrascht wird. Das ist wirklich beeindruckend!

Verrückte Loopings: Auch das Essen macht Loopings auf dem Weg zum Tisch.

 

Wir besuchen die Eisshow. Die Geschichte ist nicht genial, aber die Tänze sind atemberaubend. Es wird nicht nur eisgelaufen, auch andere Künste sind zu sehen. Zum Beispiel wird eine Frau nach oben gehoben, während sie sich an einer Art Seil hält. Sie tanzt im Hängen und kann sich nur mit einem Knie halten.

Tänze aus verschiedenen Ländern werden auf dem Eis vorgetragen. Akrobatik fehlt nicht – ich würde gerne ständig klatschen. Die Show ist einfach eindrucksvoll.

Wir gehen noch zu anderen Attraktionen: Autofahren, Laserspiel, drehende Schaukeln, Parkrundfahrt im Minizug, noch eine Achterbahn... Dann müssen wir zurück nach Hause. Ich hoffe, das wird nicht das letzte Mal sein, dass ich den Europapark besuche!

 

 

Info: Valentina macht in Quito kommendes Jahr Abitur auf ihrer deutschen Schule. Die Schülerin aus Ecuador schreibt in ihrer Freizeit Romane, Kurzgeschichten und Gedichte. Sie hat drei Bücher geschrieben, eines davon wurde veröffentlicht. Das Kinderbuch "Soyfiero, un tiburón de otro mundo" (Soyfiero, ein Hai aus einer anderen Welt) wurde 2011 veröffentlicht.

 

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Kommentar(e) (1) »

  1. #1 // von Isabella // 07.10.2017 // 21:57

    Ich hab es wirklich genossen. Ich hoffe irgendwann Europapark besuchen.

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