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Leute & Leben

Pulse of Europe: Freiburger wollen EU retten

Rund 1600 Menschen haben sich Mitte März auf dem Augustinerplatz versammelt, um für Europa zu demonstrieren. Pulse of Europe heißt die Bewegung, die im Januar in Frankfurt gestartet ist – und sich weit über Deutschland verbreitet hat. „Mit Europapolitik muss man sich nicht verstecken“, sagt Moritz Pohle (links im Bild), einer der Freiburger Organisatoren, dem f79. Er hat gemeinsam mit Markus Meyer auch Tom Taeymans hinter sich. Der Schülersprecher des Deutsch-Französischen Gymnasiums Freiburg will helfen, die EU zu retten.

 
 

Pulse of Europe ist eine überparteiliche Bürgerinitiative. Seit dem 15. Januar gibt’s die Treffen auch auf dem Augustinerplatz – Mitorganisator ist der Jurist Moritz Pohle (43). Am wichtigsten sind ihm die starken Bilder und Botschaften, die über die Medien transportiert werden. Zum Beispiel gab es Unterschriftenaktionen und eine französische Fahne aus Primeln. „Sehr wichtig ist das offene Mikrofon“, betont Pohle. Jeder hat die Möglichkeit, ein paar Worte über Europa zu verlieren.

Ziel ist es, gegen die Radikalisierung in der Politik zu wirken. In den zehn Pulse-of-Europe-Grundsätzen heißt es: Es ist wichtig vor den Wahlen auf die Straßen gehen, statt danach. So war es bei „politischen Erdbeben“ wie dem Brexit oder Trump. „Positive Energie“ soll ausgestrahlt werden.

Nur 70 Leute strahlten beim ersten Freiburger Treffen. Vor allem Ältere und den Organisatoren unbekannte, berichtet Pohle. Beim zweiten Mal schon über 100. Mitte März dann 1600. Bei den Versammlungen gibt es Reden, Menschenketten und Musik.

Auch Tom Taeymans (17) ist regelmäßig dabei und Teil des Helferteams. Der Elftklässler ist Schülersprecher am Deutsch-Französischen-Gymnasium Freiburg und pro Europa. Er hat im Februar bei der Versammlung einen Text seiner Schule vorgetragen. Der „Zusammenhalt, für etwas und nicht gegen etwas zu demonstrieren“ ist ihm wichtig. Ein besonderer Moment für ihn war die Schweigeminute nach dem Anschlag in London. „Das war beeindruckend, als fast tausend Leute ganz ruhig waren“, erinnert sich Taeymans. Man solle zu seinen Werten stehen. Er fordert: „Wir sollten unsere EU retten und nicht einfach zerstören, bevor wir sie reformieren.“

 

Vereint: Jung und Alt demonstrieren mit Europafahnen für offene Grenzen.

 

Für Pohle war „ein richtiger Gänsehautmoment“ als eine Sängerin mit ihrem kleinen Sohn die Europahymne auf Deutsch und Französisch gesungen hat. Auch das Singen der Europahymne mit Deutschen und Fanzosen am 9. April auf der Brücke zwischen Straßburg und Kehl hat ihn bewegt.

Pulse of Europe ist laut Pohle überparteilich, weil ein breites politisches und gesellschaftliches Spektrum angesprochen werden soll. Durch die Bewegung soll auch die „schweigende Mehrheit“ geweckt werden. Es ist wichtig Politikern zu zeigen: “Mit Europapolitik muss man sich nicht verstecken.“

Kritiker sagen, die Ziele der Bewegung seien zu vage. „Das stimmt nicht“, sagt Pohle. Es sei die Aufgabe von Parteien, Europa zu verbessern. Die Bewegung würde sich wahrscheinlich schnell spalten, wenn beispielsweise eine Lösung für die Flüchtlingskrise vorgeben würde.

Taeymans sagt dazu: „Der Pulse of Europe ist nicht dazu da, ein neues Europa zu schaffen.“ Man wolle darauf aufmerksam machen, dass alle Vorteile der EU in Gefahr sind - zum Beispiel der freie Grenzübergang und der Frieden. „Wir wollen die EU reformieren, aber wir müssen sie erst bewahren“, sagt Taeymans.

Kritisiert wird auch, dass die Bewegung nur die obere Mittelschicht anspricht. „Völlig egal, wer kommt“, sagt Pohle dazu. Er freut sich über jeden. Schließlich haben alle das Recht, ihre Meinung zu sagen.

 

Engagiert: Tom Taeymans ist Mitorganisator der Demonstrationen in Freiburg.

 

Was missfällt Pohle an der EU? Da muss er „wirklich nachdenken“. Zum Beispiel hätte Europa die Flüchtlingskrise leichter lösen können. Und das Straßburger Parlament „hat nicht genug zu melden“. Trotzdem möchte er auf die EU nicht mehr verzichten. Ohne sie gäbe es 27 Nationalstaaten. Europa würde an Bedeutung verlieren, Handelskonflikte könnte entstehen. „Die Gefahr von Kriegen wäre größer als jetzt“, sagt Pohle.

Die EU ist für ihn ein Geschenk: 70 Jahre konnten wir in Frieden und Wohlstand leben. „Man sollte nicht vergessen“, dass die EU 2012 den Friedensnobelpreis bekommen hat.

Wie es nach den Wahlen
in Deutschland weitergeht, ist unklar. Ab dem 7. Mai wird flächendeckend nur noch ein Mal im Monat am ersten Sonntag des Monats demonstriert. Die Spenden, die bei den Demos eingenommen werden, fließen „eins zu eins wieder in die Demos“. Dort werden nämlich zum Beispiel Flyer, Buttons, Europafahnen und Luftballons verteilt. Ansonsten wird Geld für die Bühne, Lautsprecher und so weiter gebraucht. Der Rest geht an eine Geschäftsstelle, die in Frankfurt eröffnet wurde, um dort die Angestellten zu bezahlen.

 

 

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