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Wie riskant ist WhatsApp? f79 im Interview mit Emmendinger Datenschutzexperte Olav Seyfarth

42 Milliarden Nachrichten werden täglich per WhatsApp versendet. Welche Daten speichert die App eigentlich? Kann man versendete Nachrichten wieder löschen? f79-Autor Pascal Franke hat den Datenschutzexperten Olav Seyfarth (45) zum Thema WhatsApp interviewt. Der fand die Chat-App früher problematischer als heute und sagt: „Etwas wirklich zu löschen geht nicht.“

 
 

f79 // Viele Datenschützer raten von WhatsApp ab, da die Daten der Nutzer an das Mutterunternehmen „Facebook“ weitergegeben werden. Stimmen Sie denen zu?

Olav Seyfarth // Ich hatte vor der Übernahme durch Facebook ein viel größeres Problem mit WhatsApp. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte WhatsApp mit immerhin einer halben Milliarde Nutzer noch nicht mal eine Postadresse. Oder geschweige denn einen Ansprechpartner, an den man sich hätte wenden können. Das heißt, es war ein völlig anonymes Unternehmen. Insofern denke ich, dass mit der Übernahme durch Facebook auch einiges besser geworden ist. Denn jetzt habe ich zumindest eine professionelle Rechtsabteilung, die sich auskennt, die antwortet und die man vor Gericht auch ordentlich vorladen kann.

f79 // Speichert WhatsApp Daten, die gar nicht für das Chatten benötigt werden?

Seyfarth // Darüber gibt es verschiedene Aussagen. Eine davon ist, dass WhatsApp das gesamte Adressbuch überträgt, obwohl man zum Synchronisieren der Kontakte nur die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse benötigt. Es ist aber bis jetzt nicht geklärt, ob das wirklich stimmt.

f79 // Worauf sollte ich achten, bevor ich ein Profilbild oder einen Status setze?

Seyfarth // Wenn der Status „schwanger“ lautet, gibt man mehr über sich preis, als man vielleicht auf Dauer möchte. Im Affekt oder in der Freude tut man manchmal Dinge, die man hinterher bereut. Das Netz vergisst nichts. Die Politik versucht uns einzureden, dass es so was wie einen digitalen Radiergummi gibt. Doch den gibt es nicht und den wird es auch nie geben. Man kann nie ausschließen, dass jemand eine verfügbare Information einfach kopiert und diese Kopie für sich behält. Also etwas wirklich zu löschen geht nicht. Ich persönlich nutze meine Sozialen Netzwerke auch geschäftlich. Ich verwende ein echtes Foto von mir. Man könnte dieses Foto nehmen und verfremden. Allerdings habe ich dieses Risiko akzeptiert. Man könnte zum Beispiel ein abgeschnittenes Foto verwenden, das kann man nicht so leicht missbrauchen.

 

Achtung Datenfalle: Wer WhatsApp-Nachrichten verschickt, gibt viel von sich preis. Olav Seyfarth nutzt Alternativen.


f79 // Sie selbst benutzen kein WhatsApp, sondern Telegram, Threema, Signal und Wire. Warum?

Seyfarth // Unter anderem aufgrund der Art und Weise, wie meine Kontakte zugeordnet werden. Signal und Threema verfremden die Daten vor dem Hochladen so, dass man Kontakte zuordnen, die Handynummer aber nicht wiederherstellen kann. Nach meiner Erkenntnis ist es bei WhatsApp so, dass im Klartext die Daten auf den Server hochgeladen und dann abgeglichen werden.

f79 // Was halten Sie von Leuten, denen es egal ist, was mit ihren Daten passiert?

Seyfarth // Ich halte Schulungen zum Thema Datenschutz und bin auch an Schulen unterwegs. Dort höre ich oft: „Ich hab doch nichts zu verbergen.“ So nach dem Motto: Wenn ich zum Fußball gehe und meinem Kumpel etwas sende, interessiert das ja niemanden. Das stimmt schon, das Einzeldatum interessiert wirklich niemanden. Was allerdings interessiert: Wer kommuniziert mit wem wie oft? Und daraus kann ich sehr wohl Rückschlüsse ziehen. Zum Beispiel wie schnell man während der Arbeit auf eine Nachricht antwortet. Das würde den einen oder anderen Chef vielleicht auch interessieren.

f79 // Facebook will die WhatsApp-Daten nutzen, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Ist das nicht ein Vorteil für mich?

Seyfarth // Personalisierung bietet Komfort. Auch ich nutze den Komfort, zum Beispiel bei Amazon. Doch man muss sich klarmachen, was für eine Macht Facebook hat. Wir machen uns manipulierbar, wenn wir darauf vertrauen, dass diese Algorithmen das für uns Geeignete herausfinden.

 

Whatsapp in Zahlen

Weltweit nutzen eine Milliarde Menschen WhatsApp. Täglich werden 42 Milliarden Nachrichten, 1,6 Milliarden Bilder und 250 Millionen Videos gesendet. Seit dem Start von WhatsApp vor rund sieben Jahren wurden bereits eine Milliarde Gruppen-Chats erstellt.

 

 

 

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