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„Svenjas Reise“ – ein f79-Blog / Folge 6: Im Westen VIEL Neues!
Hallo Freiburg!
Was für eine Woche! Hier in Chile hat sich in der vergangenen Zeit so einiges verändert. Zum Glück letztendlich nur zum positiven, doch zwischendurch sah meine Situation echt brenzlig aus!Ich habe vor einer Woche meine Gastfamilie gewechselt und wohne jetzt in der Familie einer guten Freundin von mir, die jetzt auch meine Schwester ist und darüber bin ich sehr froh.
Dass ich mich jetzt so entspannt und ruhig zurücklehnen kann, davon habe ich die letzten Wochen nur geträumt, denn in meiner alten Gastfamilie habe ich mich einfach nicht mehr wohl gefühlt. Ich werde euch jetzt nicht mit langweiligen Fakten quälen, nur so viel: Letzten Sonntag habe ich lange mit meiner Freundin Catalina geredet und wir haben beschlossen, dass ich etwas gegen meine gegenwärtige Situation unternehmen muss. Ich war oft einsam und es hat mit der Chemie einfach nicht gepasst. Also hat sie AFS angerufen und mit meiner AFS-Betreuerin geredet und ein Treffen ausgemacht, bei dem wir uns dann mit AFS und ohne meine Familie zusammengesetzt und die Probleme besprochen haben. Auch AFS war der Meinung, dass es so nicht weiter gehen kann und meine Betreuerin hat mit meiner Gastmutter gesprochen. Ich wusste von dem Gespräch und danach war die Situation für mich sehr unangenehm in der Familie, da sie ja jetzt wussten, dass ich mich nicht wohlfühle in der Familie.
Mein Gastvater war nicht da, er arbeitet wöchentlich und war in dieser Woche – zum Glück – ganz weit weg von mir. So weit so gut, Die Katze war aus dem Sack, aber AFS hatte mir gleich zu Anfang versichert, dass sie keine neue Familie für mich finden können. (Ich frage mich warum, denn das ist ja schließlich ihr Job, aber gut...) Zum Glückhatte mir Coni (die oben genannte neue Schwester) schon vorher angeboten, bei ihr in der Familie zu wohnen und die Familie hatte zugestimmt. Also war für mich das Problem eigentlich gelöst, doch AFS Santiago funkte mir dazwischen. Alte und neue Gastschwester in einem Kurs - Das geht nicht! Das hatte mir meine Betreuerin wohl auch erklärt, aber da mein Spanisch jetzt nicht gerade brilliant ist, ist das nicht bis zu mir durchgedrungen. Also lebte ich in der Gewissheit, bald zu Coni ziehen zu können.
Am Montag Abend brach mir der Boden unter den Füßen weg. Meine AFS-Betreuerin rief bei Catalina zu Hause an und erklärte ihr ein Problem, ein großes Problem: Mein Gastvater, den ich ja davor so schön hatte ausblenden konnte, würde am Mittwoch morgen wieder kommen und war tierisch wütend auf mich weil ich ihm nichts gesagt hatte. Er wolle mich nicht mehr in seinem Haus haben, wenn ich mich nicht wohl fühle und ich müsse bis zu seiner Ankunft verschwunden sein. Man erinnere: Zu diesem Zeitpunkt war es Montag Abend. Mir blieb also nur ein Tag, um meine Sachen zu packen und eine neue Familie zu finden.
Catalina unterstützte mich, wo sie nur konnte, rief und schrieb Freunde an, doch die ganze Sache war nun man sehr spontan. Also Quasi: „Hey, kannst du mir helfen? Eine Freundin hat Probleme mit ihrer Familie, kann sie morgen bei dir einziehen?“ Ohne eine Lösung gefunden zu haben lief ich dann im Regen nach Hause (Es hat wirklich geregnet) und fing zu Hause an, meine Koffer zu packen. Ich wusste nicht so recht, wie zu packen, wusste ja nicht, wann ich den großen Koffer wieder auspacken würde. Denn im Fall der Fälle - hatte Catalina mir versprochen - könnte ich für ein paar Tage zu ihr oder meiner AFS Betreuerin ziehen. Also Koffer packen mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Dazu „Me And Boby McGee“ hören: „Freedom is just another word for nothing left to loose.“ Nein, ich hatte wirklich nichts mehr zu verlieren. Ich hatte kein Zuhause mehr.
Am Dienstag morgen habe ich lange mit meinem Vertrauenslehrer gesprochen und er hat mit meiner AFS-Betreuerin ein Treffen für den Nachmittag ausgemacht. Doch bis dahin musste ich warten. Warten, Warten, warten. Das war der längste Schultag meines Lebens und dann nach Hause in der Mittagspause. In ein Haus, das schon lange nicht mehr mein Zuhause war. Mit der Familie mittagessen...warten, warten, warten.... Dann endlich wieder in die Schule, doch jetzt kommt die Entscheidung, denn in diesem Ernstfall könne AFS vielleicht doch ein Auge zudrücken und mich in die Famile von Coni lassen? Und was wenn nicht, wo werde ich dann morgen sein? Dass ich nicht auf der Straße landen würde, war klar, doch ich wollte keine Zwischenlösung. Ich wollte endlich Sicherheit.
Das Gespräch war kurz und schmerzlos. Ja. Ja, Ja - was für ein schönes Wort.
Ich hatte eine neue Familie. Eine neue Familie und tolle neue Eltern, die trotz diesem doch sehr spontanen Überfall ohne zu zögern "Ja" gesagt hatten.
Zwei neue Schwestern und das erste mal in meinem Leben einen kleinen Bruder. Endlich Gewissheit und ein Ganzes Gebirge, das da von meinem Herzen purzelte. Noch am selben Tag holte meine AFS-Betreuerin mich ab und wir fuhren zu meiner neuen Familie. Noch immer waren meine Gefühle gemischt. Vielleicht war ich ja ein hoffnungsloser Fall und mit meiner neuen Familie würde es auch Probleme geben...
Doch an der Tür wusch meine neue Gastmama diese Sorgen mit einem Wimpernschlag davon, als sie mich mit offenen Armen und mit den Worten „ Mi Amor“ begrüßte. Auch mein kleiner Bruder kam angerannt und hängte sich gleich wie eine Klette an mich und Coni und meine große Schwester Kathi und... ach Alle! Happy family!
Doch damit nicht genug, das Haus war nämlich voll. Ich lernte auf einen Schlag gleich auch noch Eine Tante und einen Onkel und eine neue Cousine kennen. Und alle begrüßten mich herzlich und es gab Kuchen und alle redeten durcheinander und aßen und Tranken Instantcoffee, Ja, so hatte ich mit eine Latinofamilie immer vorgestellt. Ich fühlte mich gleich pudelwohl und hatte ein bisschen mit ihrem Humor zu kämpfen, denn die ganze Familie ist auch sehr ironisch und schnell werden hinter einen Dialog noch ein paar pfiffige Komentare geschmissen und alle lachen. Und sie banden mich gleich voll mit ein und wollten alles wissen. Das war so ein schönes Gefühl: Wenn ich mit den Worten kämpfte, waren alle still und hörten mir zu, denn sie wollten mich ja verstehen, doch auch sowas kann man locker und mit Humor nehmen, denn ich verstand fast alles in den Dialogen, so schlecht ist mein Spanisch also gar nicht mehr!
Später haben sich meine Eltern noch mit mir in Ruhe zusammen gesetzt und wir haben über die Regeln in der Familie gesprochen und ob ich etwas brauche, Fragen habe und auch sie haben noch einmal betont, wie gerne sie mich hier haben. Ich musste dazu erst gar kein Statement ablegen, mein Grinsen war nämlich für den Rest des Abends sowieso festgetackert. Noch am selben Abend habe ich mit meinen Gastgeschwistern meinen Koffer komplett ausgeräumt und in meinem Zimmer verstaut. Ich hab jetzt nämlich ein eigenes Zimmer! Yeey! Der Abend war noch lang. Die Familie ist so herzlich und ich mag den freundlichen Umgang, den alle miteinander pflegen.
Ich bin so froh, denn jetzt ist endlich alles gut.
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