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„Svenjas Reise“ – ein f79-Blog / Folge 3: Das Spanisch wird besser
Drei Wochen Punta Arenas und das Spanisch wird besser :) „Un perro negro, Tengo frió, Yo nececito...“ -
Die ersten Worte kommen mir über die Lippen und werden jedes Mal mit lautem „Ooh, que linda!“ begleitet.
Der frühe Vogel..

Die Schuluniform ist mittlerweile zum Alltag geworden und an das viele Fleisch habe ich mich fast gewöhnt.
Jeden Tag stehen wir um sieben Uhr auf und frühstücken zusammen. An den Kaffee hier werde ich mich allerdings nie gewöhnen. Heißes Wasser in der Tasse, Kaffeepulver, Milch und ordentlich Zucker. Das ist doch keine Begrüßung am Morgen!
Das große Küssen

Dann fährt uns mein Gastvater (im Bild oben rechts) zur Schule, oder wir werden vom Taxi abgeholt. Aber morgens müssen wir niemals laufen. Das scheint hier aber normal zu sein, denn vor der Schule ist immer ein riesiger Verkehr von Taxis, die halten, Eltern, die ihren Kindern noch schnell einen Kuss auf die Wange drücken und Schülergruppen, die gemütlich Richtung Schultor schlendern. Sogar die ganz Kleinen tragen hier Uniform und Krawatte und auf dem Weg zum Klassenzimmer muss man sich hüten, nicht von einem der Fußbälle ausgeknockt zu werden, die auch im Schulhaus durch die Gegend fliegen. Küsschen hier und Küsschen da bei jedem Bekannten, dem man auf dem Gang begegnet. Im Klassenzimmer geht es dann gerade weiter mit Küsschen. Jeder gibt jedem zur Begrüßung eines. Junge mit Mädchen und Mädchen mit Mädchen, bei Junge und Junge ist es unangebracht.
Lehrer – ähnlich wie bei uns
Die Lehrer sind ähnlich unterschiedlich wie in Deutschland. Bei manchen darf man alles und die Verbindung ist sehr eng, andere sind sehr streng und die Schüler haben zur Begrüßung aufzustehen, bis sie gebeten werden, sich zu setzen. Ich brauchte eine Weile, um zu verstehen, welcher Lehrer Freund und welcher Lehrer eher Feind ist. Das Lernen selbst ist jedenfalls noch nicht vorbei und ich fürchte, das wird auch noch eine Weile dauern. Eine fremde Kultur lernt man eben nicht in ein paar Wochen kennen.
Dauerglotzen, süßes Essen & Fleisch
Zwei kulturelle Merkmale stachen für mich gleich am Anfang heraus. A: Der Fernseher läuft den ganzen Tag. Auch, wenn niemand hinsieht, muss die Glotze laufen. Da gibt es Sender wie PolarTV, oder „El Pinguino“. Im „El Pinguino“ wird nur Schrift gezeigt, wie ein Online – Zeitungsartikel und PolarTV ist eigentlich ein Radiosender, welcher über einen TV–Channel verfügt und dort wird nur gesprochen, oder Bilder gezeigt. Aber natürlich gibt es auch die ganz normalen Sender mit dem normalen Stuss, der nun mal im Fernseher läuft. Ich finde es total irritierend, beim Essen die ganze Zeit ein flimmerndes Bild im Augenwinkel zu haben.

Das zweite kulturelle Merkmal ist nahrungsbedingt: Viel Fleisch, wenig Gemüse, Salat nur als Anstandshäppchen und sooo viel süß: Süßer Kaffee am Morgen, Süßigkeiten ohne Ende in der Schule, Schokoriegel und Saft als Vesper, Softdrinks zum Mittagessen ( Lustig: die heißen hier „Pop“ und „Bub“) und sind so bunt! Nach dem Nachmittagsunterricht gibt es dann süßen Kaffee und Kekse – und zu diesem Zeitpunkt wird es draußen dunkel.
Von der Schule
Momentan sind die Chilenen wie verrückt am Demonstrieren, wie wir ebenfalls für ein besseres Bildungssystem. Doch wenn man die beiden Systeme nebeneinander stellt und vergleicht, stellt sich die Frage: Was zur Hölle haben WIR zu meckern? Von Bildungsstandards wie unseren träumen die Chilenen und höchst wahrscheinlich wird das hier auch erstmal ein Traum bleiben. Ein kleiner Einblick in den Chilenischen Matheunterricht der 11. Klasse: Letzte Woche haben sie mit Parabeln angefangen. ANGEFANGEN!!! Themengebiete: Was ist eine Normalparabel, woran erkenne ich, ob sie negativ oder positiv ist und die Definition davon. Ich habe die Lehrerin gefragt, ob sie danach Ableitungen machen, weil das ja irgendwie mit dem Thema zusammenhängt und sie hat gelacht und gemeint, Ableiten sei Universitätsstoff. Ab diesem Zeitpunkt musste ich am Matheunterricht nicht mehr teilnehmen, weil die Lehrerin meinte, das sei zu langweilig für mich und stattdessen darf ich nun Spanische Texte schreiben, während die anderen rechnen.

Englischunterricht ist ebenfalls erschreckend. Kaum einer spricht Englisch und nur zwei Mädchen aus der Klasse trauen sich, mit mir Englisch zu sprechen und nur die Englischlehrer und der Geschichtslehrer sprechen mit mir, die anderen können kein Wort Englisch. Im Physikunterricht wollte die Lehrerin den Schülern etwas absolut Falsches erklären. Als ich einigen Mitschülern klar gemacht hatte, dass das falsch ist und wie es richtig sein müsste, hat die Lehrerin genickt, ist vor zur Tafel gegangen und hat den Fehler verbessert. Wortlos und ohne Erklärungen. Überhaupt erklärt die Physiklehrerin gar nicht. Sie schreibt die Definitionen an die Tafel, dann ein paar Aufgaben und die werden benotet. Didaktik: erste Sahne!
So, jetzt ist euch vielleicht ein bisschen mulmig geworden, gut so. Ich wäre gerne mal wieder ein bisschen gefordert. Man kann einen Schultag nämlich ganz ohne Denken zubringen. Das ist gefährlich und mir ist klar geworden, wie gut wir es eigentlich mit unseren Deutschen Schulen haben. Sie kosten nichts und sind wirklich gut. In Chile kostet alles. Du kriegst nichts geschenkt. Ich bin auf einer Privatschule und schon alleine die Schuluniform kostet 140 000 Chilenische Pesos, das sind umgerechnet etwa 200 Euro. Die Schule kostet natürlich auch und Bücher, der ganze Rest halt.
Von den Demos
Das ist der Grund, warum die Schüler und Studenten auf die Straße gehen. Nein, eigentlich eher die Studenten, die Schüler sind meist nicht politisch und es ist ihnen egal, ob es um ihre Bildung geht. Ich denke, das ist in meiner Klasse so, weil ich auf einer Privatschule bin. Die Schüler der öffentlichen Schulen haben allen Grund zum Demonstrieren, da ist der Bildungsstandart nämlich noch schlechter.
Was auf den Demos gerufen wird, verstehe ich noch nicht, aber das kommt noch.
Die Jongliergruppe
Ich gehe mit meinem Gast-Bruder und meiner Spanischlehrerin zu den Streiks und ich habe mich mit der Jongliergruppe angefreundet, die immer vor der Demo herläuft und ihr Können beweist. Mit Keulen, Feuerspucken und jeder Menge Action. Und Svenja mittendrin! Ich habe einem der Jongleure meine Handynummer gegeben, mal sehen, ob die sich melden und morgen bin ich zu einem Barbecue von Freunden eingeladen (schon wieder Fleisch!!) und ich freue mich darauf.

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