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Leute & Leben
„Svenjas Reise“ – ein f79-Blog / Folge 1: Der Abschied naht!
„Feiern mit Leuten, die dann meine Freunde geworden sind“
Ich bin Svenja und in einer Woche beginne ich meinen Schüleraustausch in Chile. Darauf warte ich schon seit einem Jahr und nächste Woche soll es also nun los gehen, so ganz habe ich das noch nicht begriffen.
Natürlich, das Auslandsjahr ist in den vergangenen Monaten bei mir und meinen Freunden eigentlich jeden Tag Thema gewesen. Sei es nun, wenn die anderen ihre Sommerferien planten, oder wenn es um irgendwelche Feste ging, die ich ja nächstes Jahr nun mal in Chile feiern werde. So richtig angefangen hat diese „ständige Präsenz“ meines Auslandsjahres eigentlich schon an Silvester. Am 31.12. 2011 um diese Zeit würde ich also in der Fremde sein, mit Menschen, die ich noch nicht kenne, die aber bis dahin – hoffentlich - schon meine Freunde geworden sind. Ich werde mit ihnen feiern und um Mitternacht auf das neue Jahr anstoßen, während meine Freunde auf der anderen Seite der Welt dasselbe tun.
Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich der Austausch aber noch Lichtjahre von mir entfernt an - sechs Monate sind ja auch eine lange Zeit. Doch aus den sechs Monaten wurden vier, dann nur noch zwei und plötzlich drei Wochen und jetzt steige ich schon übermorgen ins Flugzeug.
Ich kann noch kein Wort Spanisch, habe aber auch nicht vor, mich viel auf Englisch zu unterhalten. Ich springe gleich ins kalte Wasser.
„Eine Handvoll Mut und unstillbare Neugier“
Fremdes Land, fremde Sprache, fremde Kultur und alles, was ich mitbringe sind eine Hand voll Mut, welche sich wahrscheinlich im Flugzeug verflüchtigen wird und meine unstillbare Neugier, die mich ja auch erst dazu getrieben hat, dieses Auslandsjahr zu machen.
Was ich schon weiß, ist, dass ich Bikini und Sonnencreme getrost zuhause lassen kann. Ich fliege zwar nach Lateinamerika und das Bild, das jeder dabei im Kopf hat, zeigt Sommer, Strand und Meer, doch Lateinamerika ist lang - und ganz im Süden ist es kalt. Und ich komme ganz in den Süden. Noch krasser: Ich werde ein Jahr lang in der südlichsten Stadt der Welt leben, Punta Arenas. Willkommen bei den Pinguinen!
Das ist zwar nicht ganz das, was ich mir unter Lateinamerika vorgestellt hatte, aber ich freue mich riesig darauf, zumal ich schon fleißig mit meiner Gastschwester schreibe. Wir sind im gleichen Alter und ich habe das Gefühl, dass wir uns gut verstehen.
Der Koffer ist gepackt
Der Koffer ist schon gepackt. Natürlich nur mit dicken Wintersachen, denn momentan ist Winter in Punta Arenas. Wollsocken und dicker Schal werden auf dem Tagesplan stehen!
Ein Problem, dass sich vor zwei Wochen ergab, als ich meine Gastfamilie bekam und klar wurde, dass ich mich dick einpacken muss: Wo zum Teufel bekomme ich Mitte Juli in Freiburg Winterstiefel her? Ich bin durch die ganze Stadt gejagt, wurde aber meist nur belächelt oder ausgelacht. Niemand braucht im Sommer Winterschuhe - außer man macht ein Auslandsjahr in der Nähe von Feuerland. Ich nehme nur das nötigste mit, denn den Großteil meiner Klamotten will ich mir direkt dort kaufen.
Was natürlich nicht fehlen darf, sind Fotos von Freiburg und natürlich meiner Familie und Freunden. Ich möchte ja auch zeigen könne, wo ich eigentlich herkomme. Die Chilenen haben doch vermutlich genauso wenig Ahnung von Deutschland wie wir von Chile.
Abschied
In meinen letzten sieben Tagen in Freiburg gab es noch einiges zu erledigen, denn ich wollte alles unbedingt nochmal sehen. Alles nochmal tun. Mit dem Fahrrad durch die Straßen fetzen, durch die KaJo laufen, auf den Schlossberg gehen und das nächtliche Freiburg sehen, in jeder erdenklichen Kneipe sitzen, alle Freunde nochmal sehen und nochmal sehen und nochmal sehen und mich von allen verabschieden.
Ich werde Freiburg vermissen, denn das ist einfach eine so tolle Stadt zum Leben, doch noch viel mehr freue ich mich momentan auf Punta Arenas. Ich habe Bilder gesehen, da sind alle Häuser total bunt, ein bisschen wie in Norwegen und die Landschaft da unten soll traumhaft sein. Meine Gastschwester hat geschrieben, dass ihre - und dann auch meine - Klasse sich schon auf mich freut und mir ein Bild von allen geschickt. Die sehen total nett aus. Ich werde dort allerdings auffallen wie ein bunter Hund: Nicht nur, dass ich Europäerin bin, ich bin auch noch der einzige Blondschopf.
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