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Job & Karriere

Mit dem Meißel nach Norwegen: Ein Auslandspraktikum als Steinmetz in Trondheim

„Networking“ war bei Handwerkern schon im Mittelalter gängige Praxis, so auch unter den Steinmetzen. Die Bauhütten und Baumeister der Kathedralkirchen am Oberrhein pflegen seit den Bauanfängen ihre internationalen Kontakte. Das setzt sich bis heute fort. Ein Beispiel dafür ist Ilka Weber. Die Auszubildende der Freiburger Münsterbauhütte hat gerade bei norwegischen Steinmetzen reingeschnuppert.

 
 

Die Wanderschaft von Handwerksgesellen war früher Voraussetzung, um zur Meisterprüfung zugelassen zu werden. Die jungen Menschen sollten die Arbeit an anderen Orten kennenlernen und Lebenserfahrung sammeln. Auch im 21. Jahrhundert stehen diese Gedanken oft im Vordergrund, wenn Auszubildende oder Studierende am Erasmus-Projekt teilnehmen. Das hat im Dezember auch Ilka Weber gemacht. Die 17-Jährige war für drei Wochen bei Steinmetzen im norwegischen Trondheim.

„Ich habe fachlich viel gelernt, weil die Arbeitsweisen in der Trondheimer Bauhütte anders sind und auch andere Werkzeuge verwendet werden“, berichtet Ilka. Außerdem sei es menschlich eine tolle Erfahrung gewesen. Sie ist dankbar für die Unterstützung im Vorfeld – von vielen Seiten: organisatorisch von den Eltern, fachlich von der Münsterbauhütte und finanziell von der Handwerkskammer.

Warum gerade Trondheim? „Ich wollte gerne in ein nördliches Land gehen – den Süden lernt man eher mal kennen durch Urlaub und so weiter“, sagt Ilka. Außerdem wollte sie ein Praktikum in einem Land machen, in dem entweder jemand Deutsch spricht oder sie mit Englisch gut klarkommt. Da kam die Verbindung der Freiburger zur Bauhütte des Nidarosdoms in Trondheim gerade recht.

Weit gereist: Ilka Weber war in Norwegen. Jetzt werkelt sie wieder in der Münsterbauhütte (oben).

 

Ilka konnte so Einblicke gewinnen, wie die Norweger leben: typisches Taco-Essen am Freitag oder bei Weihnachtsfeiern, bei denen es ein traditionelles Lammgericht gab. Das Highlight ist für Ilka der Schnee gewesen: „Es ist einfach eine andere Winterstimmung, wenn nicht gestreut wird“, erzählt die junge Auszubildende. Sie habe es genossen, die winterliche Stadt zu erkunden – auch wenn die Sonne nur für wenige Stunden über Mittag zu sehen gewesen sei: „Gegen 15 Uhr war es schon fast dunkel.“

Auch in der Bauhütte ist sie in eine andere Welt eingetaucht: Ilka hat zwar eigenes Werkzeug mitgenommen, hat es aber nicht gebraucht. Denn der Knüpfel, der zu ihren Hauptwerkzeugen in Freiburg gehört, ist in Trondheim unbekannt. Das liegt unter anderem am Material: In der Trondheimer Bauhütte wird mit Speckstein aus Norwegen gearbeitet. Ilka beschreibt ihn als „weicher, aber trotzdem schwerer zu bearbeiten – ein ganz anderes Arbeiten als an unserem Sandstein“.

Außerdem besteht die Trondheimer Bauhütte aus mehreren Bereichen: Neben Steinmetzen sind dort auch Glaser, Maler, Gipser, Schmiede und Schreiner beschäftigt. Im Aufenthaltsraum kommen sie dann zusammen.

Ilka hat ein eigenes Werkstück bearbeitet, für das Königsportal am seitlichen Chor der Großkirche. Für die Auszubildende steht fest: Sie möchte nach Norwegen zurückkehren, um die Fjordlandschaften näher zu erkunden und Polarlichter zu sehen. Bei der Gelegenheit kann sie dann ihren fertigen Stein am romanisch-gotischen Dom von Trondheim begutachten. Vorausgesetzt, es ist nicht gerade dunkel.

 

 

 

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