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Job & Karriere

Noch nie so viele Lehrstellen unbesetzt: Technische Mediengestaltung ist begehrt

Rechnerisch bekommt jeder Bewerber in Südbaden eine Ausbildungsstelle – vorausgesetzt, er ist nicht wählerisch. Denn nicht in jeder Branche ist das Verhältnis von Bewerber zu Stelle auch ausgeglichen. Insgesamt erhöhte sich nicht nur die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Auch die Anzahl der Abbrecher stieg an.

 
 

„Die Schere am Ausbildungsmarkt geht immer weiter auseinander“, sagt Christian Ramm, Chef der Arbeitsagentur Freiburg. Noch nie seien am Ende eines Ausbildungsjahres so viele Lehrstellen unbesetzt gewesen. „Wir stehen vor einer großen Aufgabe“, betont Ramm. Die Entwicklung werde für Unternehmen zu einem ernsthaften Problem.

Am Ende des Ausbildungsjahres waren rein rechnerisch Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt ausgeglichen: 4205 Bewerber kamen in Freiburg auf 4161 Berufsausbildungsstellen. Das sind nur 44 Kandidaten mehr als Ausbildungsplätze. Trotzdem blieben 565 Ausbildungsverträge unbesetzt. Der Grund? Auf manche Stellen bewerben sich viele Kandidaten, auf andere nur wenige – oder keiner.

Begehrte Berufe sind beispielsweise die technische Mediengestaltung und Holzbearbeitung. Fünf Bewerber kamen dort in diesem Jahr auf eine Ausbildungsstelle. In anderen Bereichen wird der Nachwuchs händeringend gesucht. Zum Beispiel in der Gastronomie. Nur einen Bewerber auf sechs Stellen gab es dort.

Die hohe Zahl an unbesetzten Ausbildungsstellen besorgt Ramm: „Auf Dauer schwächt diese Entwicklung unsere Unternehmen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit.“ Eine Ursache für viele freie Stellen ist der Trend zum Studium. Viele Bewerber entscheiden sich nach der mittleren Reife für eine höhere schulische Bildung, dann ein Studium, oder eine direkte Erwerbstätigkeit. So ging vergangenes Jahr nur jeder zweite Schulabgänger (54,5 Prozent) direkt in eine duale Ausbildung.

„Wir blicken verhalten in die Zukunft“, sagt Steffen Auer, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein. Immer häufiger seien Betriebe gezwungen, große Zugeständnisse an die Ausbildungsreife ihrer Bewerber zu machen. Dementsprechend oft würden Ausbildungsverhältnisse auch abgebrochen. Um künftig mehr Bewerber zu gewinnen und Kompetenzen besser auszuloten, soll im Rahmen eines Modellprojektes die Präsenz an Freiburger Schulen gestärkt werden. Beratungsangebote für Schüler sollen so ausgebaut werden.

Erfolge verzeichnet die Agentur hingegen bei der Vermittlung von Flüchtigen in Ausbildungsverhältnisse: Die Zahl der Auszubildenden aus sogenannten Asylherkunftsländern hat sich von 2013 bis 2017 versechsfacht. „Junge Flüchtlinge werden die Lücken im Ausbildungsmarkt nicht schließen, aber ohne sie wären diese spürbar größer“, sagt Ramm. 43 Jugendliche sind unversorgt geblieben, ihnen sollen neue Angebote unterbreitet werden. Weiterhin Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Geflüchteten bereiten die oftmals unterschiedlichen und undurchsichtigen Kompetenzen der Bewerber.

 

Ungleichgewichte im Markt

In diesen Branchen gibt es die meisten Bewerber (Bewerber pro Stelle)
• Technische Mediengestaltung 5,0
• Holzbe- und verarbeitung 5,0
• Veranstaltungs-, Kamera-, Tontechnik 3,3
• Verkauf, Bekleidung, Elektro, KFZ, Hartwaren 3,3
• Ver- und Entsorgung, Softwareentwicklung 2,5
• Innenarchitektur und Raumgestaltung 2,0
• Körperpflege, Floristik, Gartenbau 1,7

 

In diesen Branchen werden Bewerber gesucht (Stellen pro Bewerber)
• Gastronomie 5,7
• Verkauf von Lebensmitteln 4,6
• Kaufleute – Verkehr und Logistik 2,7
• Kunststoff-, Kautschukherstellung und -verarbeitung 2,5
• Tiefbau 2,4
• Speisenzubereitung, Lebensmittelherstellung 2,3
• Hotellerie 2,2

 

 

 

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