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Job & Karriere

Karriere über den Dächern Freiburgs: David Simonis lernt Steinmetz

116 Meter hoch ist das Freiburger Münster. Für viele ist das gotische Bauwerk eine Attraktion – für David Simonis sogar ein Arbeitsplatz. Der 23-Jährige macht eine Ausbildung zum Steinmetz. Als Azubi der Münsterbauhütte trägt er dazu bei, dass der „schönste Turm der Christenheit“ seinem Beinamen gerecht wird. Maximilian Bär hat das Zeugnis schon in der Tasche.

 
 

Klack, klack, klack. Fast zwei Meter lang ist der Sandsteinblock, den David Simonis bearbeitet. Er setzt den Meißel an, klopft vorsichtig mit dem Hammer drauf. Mehrere Monate lang braucht der Steinmetz-Azubi im dritten Lehrjahr, bis sein Werk vollendet ist.

Tag für Tag arbeitet er daran in der Münsterbauhütte: „Man braucht Geduld“, sagt der Azubi im grauen Kapuzenpulli. Neben ihm werkeln Kollegen an weiteren Münstersteinen. Es wird geklopft, gehämmert, gesaugt. Der Lärmpegel ist hoch in der Werkstatt des Münsterbauvereins. Die Konzentration auch.

Davids Stein wird in wenigen Wochen das Münster zieren. Das Brüstungsstück wird am Chor verbaut, erklärt er. Es perfekt zu formen ist eine Herausforderung: „Es gibt viele Durchbrüche“, sagt David. Für die zahlreichen Lücken im rot-braunen Stein brauche es eine gute Hand und Ausdauer. Man dürfe nicht sofort Ergebnisse erwarten, es seien viele Zwischenschritte bis zur Fertigstellung. Am weltberühmten Münster zu arbeiten ist für David eine große Verantwortung, schließlich ist es die Attraktion der Stadt. Möglichst viel originale Substanz soll erhalten werden.

Sein Arbeitsplatz am Boden, die Münsterbauhütte, existiert seit mehr als 800 Jahren. Von circa 1200 bis 1536 bauten die Mitarbeiter das Münster, heute kümmern sie sich um die Instandhaltung. Die Aufgabe der Steinmetze ist, das Münster zu konservieren und zu sanieren. Kaputte Steine werden durch Kopien ersetzt. Sind nur Teile beschädigt, werden Passstücke eingesetzt.

Der Job ist für David ein Privileg: „Viele träumen davon, hier zu arbeiten.“ Immer wieder gebe es besondere Situationen. Gerade auch, wenn er in luftiger Höhe im Einsatz ist. Sein aufregendstes Erlebnis bisher war an einem Wintermorgen: Mit einem Kollegen arbeitete er nur knapp unter der Turmspitze. „Es war saukalt und gab einen leichten Schneesturm“, erinnert sich David. Als die Sonne aufging, sei es richtig spektakulär geworden.

Solche Ausflüge in luftige Höhen sind kein Tagesgeschäft. Die meiste Zeit ist er in der Werkstatt und arbeitet an Steinen. „Stücke klopfen“ heißt das in Davids Worten. Um die Prüfung zu bestehen, brauche es viel Übung. Um das traditionelle Arbeiten am Stein zu lernen, sei die Münsterbauhütte eine sehr gute Adresse.

Das weiß auch Maximilian Bär. Der 22-Jährige hat gerade erst seine Ausbildung zum Steinmetz in der Freiburger Münsterbauhütte abgeschlossen. Mit Bravour: Maximilian wurde in diesem Jahr Kammerbester. Den Erfolg erklärt er mit guter Teamarbeit: „Jeder Kollege hat seine Handschrift, man kann sich von jedem hier etwas abgucken.“ Seine erste Fahrt mit dem Bauzug hoch aufs Münster sei krass gewesen, aber daran gewöhne man sich. Mittlerweile arbeitet er in der Münsterbauhütte in Ulm. Später könnte er sich vorstellen, an eine Bildhauerschule in Südtirol zu gehen.

Das schwebt auch David vor. Der Baden-Badener beendet seine Ausbildung im Sommer. Dann bleibt er bis zum Jahresende beim Münsterbauverein. Ab 2017 möchte er in Baden-Baden arbeiten, wo er sein Abi gemacht hat. Auch andere Bereiche seines Berufs wie die Arbeit an Grabsteinen, Küchenplatten oder eben die Bildhauerei will er besser kennenlernen. Möglichkeiten gibt es viele.

 

 

 

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